Größte Webspinnenart in Museum gefunden

28. Oktober 2009
Autor: Michael Schneider

Nephila komaci   (Foto: REUTERS / Nicholas Godley)Ein kryptozoologisches Puzzle um eine gewaltige Webspinnenart (Radnetzspinnen) hat ein weiteres Teil hinzugefügt bekommen – und dies in einem Museum.

Ein entscheidendes Beweisstück fand sich im Naturhistorischen Museum Wien: Dort entdeckte der slowenische Spinnenexperte Matjaž Kuntner ein aus Madagaskar stammendes Seidenspinnen-Exemplar, das nach einer eigenen Art aussah. Es bestätigte einen Fund in einem Museum in Pretoria kurz zuvor und wurde danach durch drei lebende Exemplare – ein Männchen und zwei Weibchen, die im südafrikanischen “Tembe Elephant Park” gefunden wurden – endgültig “bewiesen”. Der sogenannte Holotyp, also die Grundlage für die Erstbeschreibung, ist für die Weibchen der Art das Exemplar in Wien.

Die neue Art heißt Nephila komaci und wird von Kuntner und einem Kollegen im Fachblatt PLoS ONE beschrieben. Das Besondere: Die Weibchen haben einen vier Zentimeter langen Körper und bis zu zwölf Zentimeter lange Beine, was sie zu den größten Webspinnen weltweit macht. Wie bei vielen Spinnenarten sind die Männchen von Nephila komaci deutlich kleiner: Das eine gefundene Männchen ist etwas mehr als halb so groß wie die weiblichen Exemplare, also immer noch beachtlich. Eine Einschätzung der Durchschnittsgröße für Männchen lässt sich vorerst aber nicht abgeben: Trotz intensiver Suche konnten bisher keine weiteren lebenden Spinnen der neuen Art gefunden werden.

Kuntner war im Jahr 2000 in einem Museum in Südafrikas Hauptstadt Pretoria auf ein Exemplar dieser Spinne gestoßen, das nicht den bisher beschriebenen Arten entsprach.

Nachdem die Suche nach dieser Spinne bei mehrere Expeditionen erfolglos verlief, galt sie als ausgestorben. Unter 2500 Exponaten in 37 Museen gab es keine weitere derartige Spinne. Als jedoch 2003 ein auf Madagaskar gefundenes zweites Exemplar in Wiens Naturhistorischem Museum auftauchte, wurde Kuntner hellhörig.

Ein Kollege von ihm entdeckte dann im Tembe-Park – in dem Madagaskar gegenüberliegenden südafrikanisch-mosambikanischen Grenzgebiet – ein Männchen und zwei Weibchen der neuen Spinnenart. Damit war klar, dass die Spinne in der Tat einer neu entdeckten Spezies angehörte. Kuntner benannte sie nach seinem befreundeten Kollegen Andrej Komac, der zur Zeit der Entdeckung bei einem Unfall ums Leben gekommen war.

Quelle: Kuntner M, Coddington JA (2009) Discovery of the Largest Orbweaving Spider Species: The Evolution of Gigantism in Nephila. PLoS ONE 4(10): e7516. doi:10.1371/journal.pone.0007516

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