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Der Amphiptère

Seit jeher erzählt der Mensch von großen und furchteinflößenden Drachen in seinen Erzählungen, Sagen und Legenden. Wenn man alten Quellen vertrauen schenkt, dann wurde ganz Europa und Teile Nordafrikas ehemals von unzähligen Drachen bevölkert, die sich in mehrere Arten aufteilten. Aber nicht nur in alten Sagen und Legenden existierten diese furchteinflößenden Wesen. Soweit man die Geschichtsschreibung zurückverfolgen kann, lebten Drachen in allen Gebieten Europas, darunter auch viele detaillierte Berichte von angesehenen Personen. Aus vorchristlicher Zeit bis hinein ins späte 17. Jahrhundert haben immer wieder fahrende Ritter, Priester, Mönche, Geschichtsschreiber und Naturforscher über solche Wesen berichtet. Betrachtet man einmal die Geschichte der Landbesiedlung in Europa, so wird man zwangsläufig feststellen, das man fast überall erst die das Land bewohnenden Drachen vertreiben musste, bevor man das Land in Besitz nehmen konnte. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das viele Orte in Europa nach Drachen benannt wurden. Je weiter sich die Menschen ausbreiteten, desto mehr wurden die Drachen getötet und verdrängt. Letztendlich scheinen die letzten Drachen im späten 17. Jahrhundert durch die Menschen vernichtet worden zu sein, schenkt man den Legenden glauben.

Mittelalterliche Darstellung eines AmphiptèreEine der beschriebenen Drachenarten war der Amphiptère, welcher vornehmlich in Nordafrika vorkam, jedoch auch gelegentlich in Südeuropa und sehr selten auch weiter nördlich bis hinauf nach England anzutreffen war. Der Amphiptère wird als schlangenähnlich beschrieben und führte ein wohl amphibisches Leben in Flüssen und Seen, wo er oftmals am Ufer liegend anzutreffen war.

Besonders häufig war der Amphiptère am Nil und in Arabien verbreitet, von wo es etliche Berichte über Begegnungen gab. Oftmals kam es zu Begegnungen mit einem Amphiptère in der Nähe von weihrauchtragenden Bäumen, wo diese Menschen angriffen, die das kostbare Harz ernten wollten. In einigen Berichten wird sogar beschrieben, wie der Amphiptère diese Bäume regelrecht bewacht. Einige Menschen gingen sogar davon aus, dass die Eier des Amphiptère in der Nähe solcher Bäume vergraben lagen. Jedoch kamen nur selten Menschen durch einen Amphiptère zu Schaden, dieser nahm vornehmlich nur eine drohende Haltung ein und versuchte die Menschen zu vertreiben. Jedoch konnte dieser Drache auch erheblich zubeißen und schwere und teilweise tödliche Wunden reißen.

Vom Aussehen her wird der Amphiptère als beinlose Schlange beschrieben, welche auf dem Rücken ein paar starke Flügel trägt. Der Körper selbst ist massig, jedoch dem einer Schlange nicht unähnlich. Die Größenangaben sind nicht genau definierbar, liegen jedoch im Schnitt zwischen 2 und 5 Metern Körperlänge, in einigen Berichten aber auch bis zu 15 Metern.

In Italien und Spanien sagte man diesem Drachen nach, er verbringe die meiste Zeit des Tages im Wasser von Flüssen und Seen und käme nur gelegentlich ans Ufer. Dieser Drache war für Menschen weniger gefährlich, dafür wurde ihm nachgesagt, er fresse Schafe und Ziegen. Aber auch Schweine, Wildschweine, Rehe und Hirsche standen auf seinem Speiseplan. Die bevorzugte Jagdmethode bestand laut vielen Berichten aber darin, dass sich der Amphiptère auf Bäumen niederließ und dort wartete bis eine potentielle Beute in die Nähe des Baumes kam. War die Beute nahe genug, dann stürzte sich der Amphiptère im Gleitflug mit seinen großen Flügeln auf das überraschte Tier.

Auffallende Übereinstimmung in den Berichten über den Amphiptère liegt auch in jenem Punkt, dass dieser, ähnlich wie Krokodile oder andere Echsen und Schlangen, sich am Ufer in der Sonne aufhielt und sich offensichtlich aufwärmte. Kam ein Mensch in seine Nähe, reagierte der Drache jedoch nicht gerade scheu und ging mit lautem Fauchen in Drohhaltung. Entfernte man sich nicht schnell genug, dann griff er auch an.

Der Amphiptère ist in einigen Gebieten aber auch als “Fliegende Schlange”, “Jaculus” oder auch als “Javelin Schlange” bekannt. Auch in Zentralamerika gibt es ein vergleichbares Wesen, welches dort sogar den Status eines Gottes besitzt, der “Quetzalcoatl”.

Einer der letzten Sichtungsberichte eines Amphiptère stammt aus England, wo dieser im Jahre 1669 in der Nähe der Stadt Henham in Essex gesichtet wurde. Der Amphiptère lebte dort einige Monate in der Gegend und wurde häufiger gesehen, richtete aber kaum irgendwelchen Schaden an und wurde eher als furchteinflößende Schlange von etwa 9 Fuß Länge (etwa 3 Meter) beschrieben. Nach einigen Monaten verschwand der Amphiptère aus der Gegend und wurde nicht mehr gesehen.

Wie die meisten Drachen in den Sagen und Legenden wurde auch der Amphiptère von jeher stark gejagt, da die Menschen diesen als gefährlich und furchteinflößend empfanden. Wo auch immer sich der Mensch ausbreitete, mussten die Drachen weichen. Es gibt einige Hinweise darauf, dass der Amphiptère eines jener Wesen sein könnte, die letztendlich vom Menschen ausgerottet wurden. Zumindest unsere Vorfahren glaubten fest an die Existenz dieser Kreaturen, auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beweis mehr für deren Existenz geben sollte.

Soweit zumindest die Zusammenfassung aus der Mythologie und den Legenden. Der Amphiptère ist jedoch von vielen Drachenlegenden für die Mythologische Kryptozoologie von großem Interesse, liefern doch die alten Beschreibungen ein interessantes Bild, welches sich auf etliche Reptilien anwenden lässt. So gehen die Theorien dahingehend, das man aus Nordafrika und Asien in frühen Zeiten Überlieferungen von Begegnungen mit Kobras und Krokodilen mitbrachte und sich diese in den Legenden des Amphiptère wiederspiegeln, denn das beschriebene Verhalten deutet darauf. Zumal es bereits seit der Antike einen regen Verkehr zwischen Nordafrika und Europa gab. Die Römer brachten zudem viele exotische Tiere aus Afrika als Trophäen nach Zentraleuropa. Es wäre hier auch durchaus denkbar, das etliche dieser Tiere auf den Transportwegen entkamen und in der unwissenden Bevölkerung mit den Drachenlegenden in Verbindung gebracht wurden.

Das es im späten Mittelalter noch Beschreibungen des Amphiptère aus England gab, ist somit auch nicht wirklich verwunderlich - sammelten doch die Herrscher Europas zu allen Zeiten gerne exotische Tiere, von denen wohl auch einige in die Freiheit gelangten. Betrachtet man sich zudem die Klimaentwicklung im Mittelalter, wo das Klima wärmer war als heute und selbst in Grönland Landwirtschaft möglich war, so hatten exotische Großschlangen auch in England sehr gute Überlebenschancen.

So entstanden - zumindest in der Theorie - durch die Vermengung alter Drachenlegenden in Verbindung mit Begegnungen und Beschreibungen von real existierenden Reptilien in ganz Europa die Legenden um den Amphiptère.

Autor: Michael Schneider

Künstlerische Darstellung eines Amphiptère

Siehe auch: Der Fährtenleser 2, Seite 23

Eingetragen in Kategorie: Drachen, Fabelwesen, Mythologie, Reptilien

Grendel

Grendel  (Zeichnung: Nadine Schneider)Im angelsächsischen Heldenepos “Beowulf” aus dem siebten oder achten Jahrhundert n. Chr. wird vom Ungeheuer Grendel erzählt, welches keinen Lärm vertragen konnte und schreckliche Rache nahm. Ist diese Geschichte nur Legende oder könnte ein Funken Wahrheit dahinter stecken?

Grendel wird als bösartiger, großer Teufel beschrieben, welcher irgendwo in den Marschen nahe der Burg des dänischen Königs Hrothgar hauste. Das Unglück begann, als sich König Hrothgar einen neuen Festsaal bauen ließ, in dem es Nacht für Nacht hoch herging und lauthals gefeiert wurde. Das Lachen und Singen der Krieger drang bis zu Grendels Behausung hinüber. Das Ungeheuer haßte aber nichts so sehr wie Lärm, Musik und Fröhlichkeit.

Eines Nachts, als wieder Ruhe nach einem Festgelage einkehrte, schlich Grendel zur Burg und drang in den großen Saal ein. Er fand Hrothgar’s Männer volltrunken und schlafend am Boden liegend, packte dreißig von ihnen und kehrte in seine Höhle zurück, um diese dort zu fressen. Mit dieser Tat wurde sein Appetit auf Menschenfleisch geweckt. Von nun an schlich er Nacht für Nacht zur Burg und holte sich immer mehr von Hrothgar’s Leuten. Schließlich konnte der König keine Feste mehr abhalten, da die Gäste sich weigerten auf seine Burg zu kommen.

Beowulf, ein junger Krieger, hörte von Grendels Schreckenstaten und brannte darauf, sich mit dem Ungeheuer im Kampf zu messen. Er überredete den König, zum Schein ein neues Fest abzuhalten, um den bösartigen Grendel anzulocken. Nachdem das Fest beendet und wieder Ruhe eingekehrt war, tauchte Grendel wieder auf der Burg auf. Als Grendel den Festsaal betrat, griff Beowulf das Ungeheuer umgehend an. Der folgende Kampf dauerte mehrere Stunden, bis gegen Morgengrauen das Ungeheuer dermaßen geschwächt war, das Beowulf diesem einen Arm ausreißen konnte. Verletzt zog sich Grendel zurück und starb in seiner Höhle an seinem hohen Blutverlust.

SeelandAuf den ersten Blick eine phantastische Sage, doch welchen Hintergrund könnte diese Geschichte besitzen? König Hrothgard war eine tatsächliche Person, welcher auf einer Burg auf der größten dänischen Insel Seeland nahe der Küste lebte und regierte. Doch wer oder was war Grendel? Laut Beschreibung handelte es sich um ein großes, behaartes Ungeheuer, welches scheu und zurückgezogen in seiner Höhle in den abgelegenen Marschen der Insel hauste.

Vermutlich wurde sein Interesse durch die Stimmen und den Lärm geweckt, so dass dieses Wesen auf die Burg schlich. Könnte es sich um einen überlebenden Vormenschen handeln? War Grendel eine Umschreibung für ein Wesen, ähnlich den Almas oder dem Bigfoot? Zumindest seine Umschreibung und sein Verhalten legen diesen Schluß nahe. Sollte Grendel wirklich existiert haben, so wäre diese Legende ein Bericht über die Begegnung mit einem Wildmenschen…

Autor: Michael Schneider

Quellen:

  • Rätselhafte Monster und Ungeheuer, Delphin-Verlag, München 1978
  • Das grosse Buch der Mythologie, C. Scott Littleton, Christian-Verlag, München 2003

Eingetragen in Kategorie: Fabelwesen, Hominologie, Mythologie, Wildmenschen

Mythos Werwolf

Auf einem malerischen Hügel feierte eine große Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts ein großes Fest. Als dieses im vollem Gange war, hallte ein grauenvoller Schrei durch das Tal. Aufgeschreckt liefen die Leute in die Richtung aus welcher der Schrei gekommen war und entdeckten einen riesigen Wolf, der ein junges Mädchen gepackt hatte. Geifernd vor Wut lies der Wolf von seiner Beute ab und baute sich kampfbereit über ihr auf. Der Wolf spürte die Angst der Menschen, schnappte sich das Mädchen erneut und verschwand mit ihr im Wald.

Der Anfang einer Horrorgeschichte? Nein, der Anfang eines Berichtes über den Mythos “Werwolf“.

Werwolf  (Szenenfoto: Der Fluch von Sienestro)Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jahrhundert vor Chr.) berichtet, dass Griechen und Skythen die Neurer für Zauberer hielten, welche sich einmal im Jahr zu Wölfen verwandeln würden. Heute nimmt man allerdings an, dass sie sich als Wölfe verkleideten. Petronius, der von 54 bis 66 n. Chr. lebte, schrieb mit seinem heute noch bekannten satyrischen Roman “Satyricon” eine Werwolfgeschichte.

Neben dem Teufel ist der Werwolf wohl der Dienstälteste “Bösewicht” den die Welt kennt. So ziehen sich die Überlieferungen über Jahrhunderte hinweg bis in unsere heutige Zeit.

In Amerika gibt es sogenannte “Freakshows”, welche durch die Lande ziehen und tierische und menschliche Kuriositäten ausstellen. In einer dieser Shows wurde auch der “hundsgesichtige” Jojo ausgestellt. Er war am ganzen Körper behaart und hatte angeblich sogar die spitzen Fangzähne eines Wolfes. War dieser Mensch ein Werwolf, der nicht nur bei Vollmond seine Gestalt wechseln konnte, oder eine genetische Missbildung.

Die Menschen nennen dieses Phänomen meist Lykantropie, obwohl auch hier wie bei den Vampiren eine Krankheit namens Porphyrie dahinterstecken könnte. Die Erkrankten haben gelbliche, oft stark behaarte Haut, die extrem lichtempfindlich sein kann. Geschwüre deformieren die Hände der Erkrankten, so dass diese aussehen könnten wie Tierpfoten. Im Urin und in den Zähnen treten oft rote Pigmente auf. Interessant ist auch, dass derart Erkrankte meist psychisch und neurologisch Auffällig sind.

Im Jahr 1598 stieß eine Gruppe Bauern in Frankreich auf den blutüberströmten Körper eines 15jährigen Jungen. Zwei Wölfe, die sich über den Leichnam hergemacht hatten, flüchteten in ein nahegelegenes Dickicht. Man verfolgte sie und fand im Gebüsch einen halbnackten Mann mit klauenartigen Fingernägeln, an denen noch frisches Blut und menschliches Fleisch klebte. Er gab zu gerade damit begonnen zu haben den Jungen in Stücke zu reißen, als sich die Bauern näherten. Jacques Rollet hielt sich seinen Aussagen nach für einen Wolf und aus dieser Wahnvorstellung heraus hatte er auf diese Weise schon mehrere Menschen getötet und verzehrt. Ob nun der von den Bauern zweite beschriebene Wolf wirklich existierte, oder nur deren überreizter Phantasie entsprungen war, kann heute nicht mehr überprüft werden.

Auch eine Möglichkeit für die Sichtung von Werwölfen durch ganze Gruppen von Menschen, könnte die sogenannte Mutterkornvergiftung sein, die durch verdorbenen Roggen ausgelöst wird. Diese Vergiftungen waren in Europa seit dem neunten Jahrhundert weit Verbreitet.

Um die Wirkung einer Mutterkornvergiftung zu veranschaulichen, muss man sagen, dass es zur Herstellung von LSD benutzt wurde. Eine Vergiftung mit Mutterkorn könnte die prächtigsten Werwolfphantasien anregen.

Noch im Jahre 1951 vergifteten sich in Frankreich 300 Menschen. 5 von ihnen starben, der Rest litt unter schrecklichen Halluzinationen. Einer der Erkrankten konnte sich sogar aus der Zwangsjacke befreien, verlor sämtliche Zähne, als er die Lederriemen durchbiß und bog zum Schluß Eisengitter vor dem Krankenhausfenster auseinander, um dem Tiger zu entkommen, der ihn in seinen Wahnvorstellungen “verfolgte”, wie er hinterher erzählte.

Seit es das Medium Film gibt, wurde dieses Phänomen zum Thema zahlreicher Horrorfilme und wird wohl auch in Zukunft noch ganze Generationen von Zuschauern in seinen Bann ziehen. Der Werwolf wird in der Mythologie nie aussterben, es gab ihn seit ewigen Zeiten und er wird immer weiterleben. Ob in Buch oder Film, selbst im Glauben einiger Volksstämme hat er einen fest verwurzelten Platz.

Autor: Martina Lohr

Eingetragen in Kategorie: Fabelwesen, Krankheiten, Mythologie, Wildmenschen

Expedition Tatzelwurm 2006

Tatzelwurm-Logo  (Entwurf: Markus Bühler)Der Verein für kryptozoologische Forschungen veranstaltete im Zeitraum vom 24. Juli bis einschließlich zum 30. Juli 2006 eine kleine Forschungsreise auf den Spuren des Tatzelwurms im Grenzgebiet der deutsch-österreichischen Alpen. Auf dieser Seite finden Sie eine kurze Zusammenfassung dieser Forschungsreise.

Wie kommt man auf die Idee, eine Reise auf den Spuren eines Wesens durchzuführen, welches aus dem Bereich der Fabeln und Legenden zu stammen scheint? Als einfachste Erklärung hierfür wäre z.B. die Neugier zu nennen, was sich hinter all jenen Geschichten verbirgt, die sich um den legendären Tatzelwurm, in diesem Fall dem alpinen Tatzelwurm, ranken. Von den vielen regionalen und lokalen Legenden um den Tatzelwurm haben wir uns jedoch für den Tatzelwurm der Alpen entschieden, da selbst aus neuerer Zeit immer wieder Berichte über Sichtungen vorkamen. Vor allem eine Mail einer Leserin gab bereits im Jahr 2004 den Anstoß, sich intensiver auf ein solches Vorhaben vorzubereiten. Mitte des Jahres 2005 ergab sich dann schließlich die Gelegenheit, in dieser Richtung ein Projekt vorzubereiten, was nicht zuletzt auf den Zuspruch einiger Mitglieder des Vereins zurückzuführen war, welche sich ebenfalls für den Tatzelwurm als den Kandidaten einer Untersuchung interessierten. So kam es, das wir für die Mitte des Jahres 2006 die Tour planten, wobei der Termin durch die Ferienzeiten in Deutschland mitbestimmt wurde, was einigen teilnehmenden Mitgliedern entgegen kam.

Nachdem der Termin nach einigen Vorplanungen endlich festgelegt war, boten wir interessierten Personen die Teilnahme an dieser Forschungsreise an, um auch diesen die Gelegenheit zu geben, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Womit wir nicht gerechnet hatten war jedoch ein wahrer Ansturm an Anmeldungen, was wohl auch am Interesse der Medien lag, wobei hier besonders die Webseite der Paranews und Freenet zu nennen wären, welche die Ankündigung der Forschungsreise innerhalb kürzester Zeit verbreiteten. Weitere Webseiten und auch einige kleinere Zeitungen und Magazine übernahmen ebenfalls die Ankündigung. So geschah es, das wir innerhalb weniger Tage einen Ansturm an Teilnehmern zu verzeichnen hatten. Um hier jedoch die Übersicht nicht zu verlieren, sahen wir uns gezwungen, die Teilnehmerzahl auf maximal 25 Personen zu beschränken, welche aufgrund der Anmeldereihenfolge, Zugehörigkeit zum Verein und Alter der Teilnehmer ausgewählt wurden. Hierbei wurde das Mindestalter auf 18 Jahre beschränkt und nach oben hin, je nach körperlicher Verfassung, offen gelassen. Wie sich während der Reise zeigen sollte, war die körperliche Verfassung ein wichtiger Punkt der Auswahlkriterien.

Während der Vorbereitungszeit suchte Michael Schneider und einige weitere Personen eine Unmenge an Material über den alpinen Tatzelwurm zusammen, um die Reiseroute besser bestimmen zu können. Hierbei möchten wir besonders Frau Marion Steirer danken, welche uns bei der Vorbereitung sehr hilfreich war. Leider konnte Frau Steirer nicht persönlich an der Reise teilnehmen, da diese durch ihre Kinder verhindert war.

Durch die Fülle an Material und den kurzen Zeitrahmen der Tour, mussten etliche vielversprechende Ziele ausgelassen werden. Alleine in der Vorbereitungszeit und durch die öffentliche Verbreitung der Ankündigung, trafen zudem eine große Anzahl an E-Mails und Briefen ein, in denen es um Beschreibungen und Sichtungen des Tatzelwurmes ging. Alleine aus diesem Material ergibt sich eine Fülle an weiteren Forschungsansätzen auf dem Gebiet, auf welche wir in Zukunft zurückkommen werden, welche jedoch einfach zu viel für die geplante Forschungsreise waren.

So begann also dieses Projekt, welches für die Beteiligten am 24.07.2006 startete. Es waren 25 Teilnehmer angemeldet, wovon sich die erste Gruppe aus dem nördlichen Bereich gegen 6.00 Uhr am Morgen im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main traf. Von dort aus ging es mit der Bahn nach München, wo wir die südliche Gruppe der Teilnehmer gegen 13.00 Uhr treffen sollten.

Während der Bahnfahrt von Frankfurt nach München kam es bereits zu einigen angeregten Diskussionen über den Tatzelwurm, so z.B. auch diverse Vermutungen über dessen Herkunft und natürlich über die Hintergründe. So war man in der Runde durchaus der Meinung, dass der Tatzelwurm ein reales Wesen sei, wobei die allgemeine Meinung dazu hinging, dass dieser jedoch mittlerweile ausgestorben sei, was am Tourismus in den Alpen liegen würde. Offensichtlich haben sich etliche Teilnehmer vorab mit den Veröffentlichungen von Michael Schneider zum Tatzelwurm vertraut gemacht, wo diese These angeschnitten wird.

In München angekommen nahmen wir am Bahnhof ein Mittagessen ein und warteten auf die Zusammenkunft der letzten Teilnehmer. Hier stellte sich dann heraus, das von den 25 Teilnehmern nur 22 auch anwesend waren. Wo hatten wir 3 Teilnehmer verloren oder vergessen? Offensichtlich waren diese 3 nicht zu den angekündigten Treffpunkten erschienen. Da unser Zeitplan mit den Anschlussverbindungen vorgegeben war, mussten wir ohne diese 3 Teilnehmer unsere Reise fortsetzen. Von München aus führte uns die Reise nach Garmisch-Partenkirchen, unserem Ausgangspunkt am Fuße der Alpen.

Michael Schneider auf SpurensucheEs war nun bereits später Nachmittag, als wir unseren Weg in Garmisch-Partenkirchen aufnahmen. Von hier aus ging es vorerst im zügigen Marschtempo in südöstlicher Richtung voran, immer den Bergen entgegen. Während dieser Wanderung hatten wir die Gelegenheit einen ersten Eindruck der Landschaft zu gewinnen. Vor uns lagen wunderschöne Bergwälder an den Hängen und große Ebenen aus nicht mehr ganz so grünem, aber dennoch wunderbar anzuschauendem, Gras, welches in der prallen Sonne dieser Tage eine leicht bräunlich-grüne Färbung angenommen hatte. Dazu im Hintergrund das Panorama der majestätischen Berge, allen voran die Zugspitze, welche sich in westlicher Richtung am Horizont abhob.

Die Hitze machte nicht nur dem Gras zu schaffen, auch den Teilnehmern wurde etliches abverlangt, vor allem im bergigen Gelände, da wir uns etwas abseits der Alpenstraße befanden. Dazu kam noch das Gepäck im Rucksack der Teilnehmer, welches im Schnitt etwa 20 Kilo wog. Hier zeigte sich, dass die Vorplanung mit der Auswahl nach körperlicher Verfassung eine gute Entscheidung war. Personen mit Kreislauf- oder Gelenkproblemen wären bei dieser Belastung wohl zusammen gebrochen. Immerhin zeigte das Thermometer eine Temperatur von über 30°C an. Nach etwas mehr als 4 Stunden strammen Marsches suchten wir uns schließlich einen geeigneten Platz für unser Nachtlager und schlugen die Zelte auf. In der Abenddämmerung entfachten wir ein kleines Lagerfeuer und versammelten uns alle im Kreise darum, um über die verschiedensten Dinge zu reden, bis etwa gegen Mitternacht auch die letzten Teilnehmer in ihren Zelten verschwunden waren.

Der nächste Morgen bot für einige von uns eine große Überraschung, als wir ein wenig von unserem Lager entfernt mehrere kapitale Hirsche sahen, die sich von unserer Anwesenheit offensichtlich nicht belästigt fühlten. Michael Schneider und zwei weitere Teilnehmer pirschten sich vorsichtig näher heran, um ein paar Aufnahmen dieser majestätischen Tiere zu erhalten.

Nachdem das Nachtlager abgeschlagen war, setzten wir unseren Weg fort, um am Vormittag die Gemeinde Mittenwald zu erreichen. Eine gute Gelegenheit um die Vorräte für die kommenden 3 Tage zu ergänzen und sich im Rathaus und bei öffentlichen Stellen ein wenig umzuhören. Unterwegs trafen wir auf einen alten Bauern auf seinem Feld, welcher uns eine schöne Geschichte erzählte, wie er als junger Mann in den 1960er Jahren oben im Wettersteingebirge einen großen Tatzelwurm sah. Er beschrieb den Tatzelwurm als etwa 60 cm lange Eidechse, welche in dunkler Farbe in der Sonne schimmerte. Weiterhin gab er uns den Hinweis, wir sollen den Bergbächen folgen, da man wahrscheinlich die besten Chancen hätte, dort einen Tatzelwurm zu sehen, wenn er sich auf den Steinen entlang der Bäche zum Sonnenbad niederlässt.

Bei einigen anderen Personen löste unser Ansinnen nach dem Tatzelwurm eine gewisse Belustigung aus, dennoch konnte man uns weiterhelfen und uns letztendlich einige Stellen im nahegelegenen Leutaschtal nennen, wo man von Tatzelwurmbegegnungen gehört hatte. Ein sich wohl besonders lustig vorkommender Bäcker wollte uns übrigens noch verraten, wie man am Besten einen Wolpertinger fängt, was wiederum zur allgemeinen Belustigung innerhalb unserer Reisegruppe führte. Dafür machte er aber auch mit uns ein gutes Geschäft, als wir im Laden so einiges an Vorräten mitnahmen.

So machten wir uns am frühen Nachmittag auf den weiteren Weg, um schließlich die Grenze nach Österreich zu passieren und in das Leutaschtal zu gelangen. Unterwegs unterhielten wir uns noch mit mehreren Anwohnern, welche zumeist Bauern bei der Arbeit waren, und man konnte uns tatsächlich noch einige Geschichten über Tatzelwürmer erzählen. Wenn man den Geschichten näheren glauben schenken will, so muss es ehemals eine wirklich große Population an Tatzelwürmern gegeben haben, wenn denn alle Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen. Interessant fanden wir vor allem, das gerade viele ältere Menschen etliches zum Tatzelwurm zu erzählen hatten, während die jüngere Generation kaum noch etwas über diesen wusste.

Während unseres Weges hielten wir ständig Ausschau nach Plätzen, welche für das Versteck einer großen Eidechsenart als geeignet erschienen, denn letztendlich wird der Tatzelwurm zumeist als Eidechse beschreiben, welche nur zwei ausgebildete Vorderbeine und keine, bzw. nur rudimentäre Hinterbeine besitzt.

Verbirgt sich der Tatzelwurm in diesem unwegsamen Gelände?Die Landschaft ist geprägt von lichten bis teilweise dichten Waldstücken und großen freien Flächen mit teilweise recht üppiger Vegetation. Etwas weiter oben findet man dann auch große felsige Abschnitte mit wenig Pflanzenbewuchs. Nun stellte sich die Frage, was würde ein Tatzelwurm bevorzugen? Normale Eidechsen konnten wir in allen Bereichen finden, wobei wir unsere Suche auf alle möglichen Landschaftsformen ausrichteten. Nach Angaben einiger Personen soll man an Bergbächen und an Waldrändern besonders aufpassen, da dies offensichtlich die bevorzugten Gebiete sind, wo sich ein Tatzelwurm aufzuhalten pflegt.

Am Abend schlugen wir wieder unser Zeltlager auf, um den nächsten Tag in neuer Frische anzugehen. Und dieser Tag sollte eine ziemliche Anstrengung werden. Am Morgen teilten wir nach der Karte die Bereiche ein, welche wir ansteuern wollten, um dort einen intensiveren Blick schweifen zu lassen. Dies erwies sich allerdings bei so manchem Streckenabschnitt als mühsame Kletterei, welche enorm an den Kräften zehrte. Die strahlende Sonne tat ihr übriges dazu. Letztendlich konnten wir an diesem Tag ein paar wunderbare Landschaftsimpressionen genießen und auch einige Tiere beobachten, aber wie erwartet fanden wir vom gesuchten Tatzelwurm keine Spur, auch wenn einige Teilnehmer darauf gehofft hatten. Erst in der Abenddämmerung begaben wir uns schließlich zu unserem Lager zurück.

Was hatte die junge Frau in der Nacht bei diesem Farn gesehen?Der kommende Tag führte uns quer über die Hügel in Richtung der Gemeinde Telfs. Auch diesmal suchten wir während des Weges nach geeigneten Plätzen und Spuren. Unterwegs fanden wir auch wieder einige Personen, welche uns Geschichten und Erlebnisse zum Tatzelwurm erzählen konnten. Am Nachmittag erreichten wir Telfs. Von dort führte uns unser Weg in Richtung Seefeld, wobei wir die Wegerichtung durch die Höhenzüge wählten, um möglichst weitab der Siedlungen ruhige Naturlandschaften für unsere Beobachtungen während der Wanderung vorzufinden. Am Abend schlugen wir unser Lager dicht am Waldrand auf und verzichteten wegen der Trockenheit auf ein Lagerfeuer. Dennoch saßen wir alle beisammen und diskutierten über die verschiedenen Aspekte und Geschichten, welche wir in den vergangenen Tagen zusammentragen konnten.

Während der Nacht ertönte plötzlich ein Schrei durch die Dunkelheit, welcher wohl alle Teilnehmer aus dem Schlaf gerissen hatte, denn immerhin war es 2.40 Uhr mitten in der Nacht. Der Schrei stammte von einer der Teilnehmerinnen, welche zum Austreten das Zelt verlassen hatte und etwas abseits des Lagers ihre Notdurft verrichten wollte. Sofort stürmten Michael Schneider und weitere Personen in die Richtung, aus welcher der Schrei kam. Die junge Frau stand kerzengerade da und wollte sich nicht rühren. Auf die Frage, was passiert sei, sagte sie, dass dort vorne ein großes Etwas im Unterholz verschwunden sei. Laut ihrer Aussage war es weder ein Wildschwein, ein Fuchs oder gar ein Hund, sondern etwas langes, das sich blitzschnell über den Boden bewegt habe. Umgehend wurde eine Suche mit Taschenlampen im Umkreis von der Begegnung durchgeführt, ohne jedoch die geringste Spur zu finden. An einen weiteren Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken, da die Suchaktion bis weit nach dem Morgengrauen andauerte.

Nach dem ausgiebigen Frühstück mit angeregter Diskussion, um was es sich bei dem Erlebnis der letzten Nacht gehandelt haben könnte, wurde das Lager abgeschlagen und wir setzten unseren Weg nach Seefeld fort.

Lebt der Tatzelwurm irgendwo in diesen Bergwäldern?In Seefeld genehmigten sich alle Teilnehmer ein ausgiebiges Mittagessen in einer Gaststätte, hatten doch die Strapazen der letzten Tage ihre Spuren an allen Teilnehmern hinterlassen. Nach der vorzüglichen Mahlzeit, es war bereits 14.00 Uhr, besorgten wir noch ein wenig Ersatz an Verpflegung und setzen unseren Weg in Richtung der 2334 Meter hohen Hafelekarspitze fort. Natürlich war unser Ziel nicht die Besteigung des Berges, sondern die Höhenrücken und Talsohlen um den Berg herum. Also ging es im strammen Marsch weiter, immer in Richtung des Berges, welcher unsere angepeilte Landmarke war. Auch diesmal trafen wir wieder auf einige Personen, welche uns etwas über den Tatzelwurm erzählen konnten. Natürlich fragt man nicht jede Person, welche zufällig über den Weg läuft, sondern hält sich an Personen, welche sich ausruhen oder bei einer Tätigkeit sind, um diese in ein Gespräch zu verwickeln. Als ein schwieriger Faktor hat sich hierbei der Dialekt heraus gestellt, welcher ab und zu zu einem kleinen Verständigungsproblem führte.

Das nächste Nachtlager errichteten wir in einer Art Schlucht, nicht sehr weit von einem rauschenden Bergbach entfernt. Das kühle Wasser sorgte an diesem Abend für eine angenehme Abkühlung. Wir hatten noch einen Tag vor uns, welcher uns dann nach Innsbruck führen sollte, von wo wir am frühen Sonntagmorgen unsere Rückreise mit der Bahn antreten sollten. Nachdem jedoch erst einmal der Samstag angebrochen war, bauten wir das Zeltlager wieder ab und zogen langsam in Richtung Innsbruck, dabei immer noch auf der Suche nach Plätzen, von wo aus wir nach dem Tatzelwurm Ausschau halten konnten. Die Strecke nach Innsbruck legten wir gut zurück, so das wir unser letztes Zeltlager ein Stück weit vor der Stadt aufbauen konnten.

An diesem Abend saßen wir alle noch einmal beim Lagerfeuer bis weit nach Mitternacht zusammen und ließen die Erlebnisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren. Dabei kamen Fragen auf, was man z.B. hätte besser machen können, um noch mehr greifbarere Ergebnisse hätte liefern zu können. Zudem fanden es einige der Mitglieder sehr bedauerlich, keinen Tatzelwurm zu sehen bekommen zu haben. Dennoch würden sich alle an weiteren Exkursionen dieser Art beteiligen.

Der Sonntagmorgen begann um 4.30 Uhr mit dem allgemeinen Wecken sehr frühzeitig. Anschließend wurde alles zum letzten Male das gesamte Lager abgebaut, die Sachen verstaut und alles für den letzten Marsch zusammen gepackt. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Bahnhof in Innsbruck, wo wir gegen 7.00 Uhr schließlich eintrafen. Mit dem ersten möglichen Zug ging es dann nach München, wo wir uns von der südlichen Gruppe trennten. Der Rest fuhr weiter nach Norden, wo wir uns schließlich in Frankfurt am Main verabschiedeten. Kleinere Gruppen setzten dann noch ein Stück weiter ihren Weg gemeinsam fort.

Als Fazit aus dieser Forschungsreise kann man ziehen, dass diese zwar weder einen Beweis für oder gegen die Existenz des Tatzelwurmes erbringen konnte, was auch nicht das gesetzte Ziel war, noch einen Tatzelwurm fangen oder sichten konnte, was ebenfalls nicht vorgesehen war. Allerdings ist diese Reise dennoch als Erfolg anzusehen, konnten wir doch eine Menge an lokalen Daten über den Tatzelwurm sammeln. Faktisch war diese sogar so erfolgreich, dass der Verein für kryptozoologische Forschungen in Zukunft verstärkt in dieser Richtung arbeiten wird. Für den Sommer 2007 plant Michael Schneider bereits eine weitere Forschungsreise auf der Spur des Tatzelwurms, diesmal jedoch weiter westlich in den Alpenregionen der Schweiz. Diese Tour soll jedoch weniger Teilnehmer haben, dafür wird über diese eine Videodokumentation gedreht werden. Die nötigen Erfahrungen konnten auf dieser Reise gesammelt werden.

Eingetragen in Kategorie: Expedition, Fabelwesen, Kryptozoologie

Drachen in der Neuzeit

Im Mai 1931 schrieb Huang Won-hih, Ex-Vorsteher der Hankan-Generalhandelskammer, an eine chinesische Zeitung, dass er einen riesigen, gehörnten und mit Schuppen versehenen Drachen bei Kiangsi im Fluss Kan gesichtet habe. In den folgenden Wochen wurde Kiangsi von einer verheerenden Überschwemmung heimgesucht. Dies sei kein Zufall, beteuerte Herr Huang und fragte, ob es wohl nicht angebracht wäre, dem Drachen zur Beschwichtigung ein passendes Opfer darzubieten, so wie man vor 2000 Jahren dem Flussgott Ho Po jährlich das schönste Mädchen als Konkubine zu schicken pflegte.

Auch das Eindringen kommunistischer Freischärler in Kiangsi brachte der pensionierte Handelskammervorsteher mit dem plötzlichen Erscheinen des Drachens in Zusammenhang. Für die damaligen Zeitungsleser war das beim morgendlichen Tee kein Grund zum Schmunzeln: In China nahm man eine solche Nachricht sehr ernst.

In einer Umfrage aus dem Jahr 1950 bestätigten 82 Prozent der Befragten – sie stammten aus allen gesellschaftlichen Klassen Chinas – ihren Glauben an die Feuer speienden Geschöpfe. Ein Lehrer aus Tientsien erzählte einem Interviewer, wie er in Gegenwart von anderen einst einen toten Drachen an einem Flussufer in Schantung gefunden habe.

Ein Professor aus Nanking berichtete, er habe als Knabe einen verletzten Drachen gesehen. Ein Beamter aus Peking sei bei einer Bootsfahrt auf dem Jangtsekiang sogar dreien von ihnen begegnet.

Doch nicht nur in China gab es in der Neuzeit Berichte über leibhaftige Drachen. Indianer aus verschiedenen Gegenden in den USA und Kanada erzählten im 19. Jahrhundert immer wieder von Drachen, die aus den Fluten tiefer Seen auftauchten. Solche Sichtungen gab es unter anderen am Okanagan-See in British Columbia, am Payette-See in Idaho, am Folsom-See in Kalifornien und am Champlain-See in Vermont.

In Europa war die Existenz von Drachen vor 400 Jahren so unbestritten, dass der englische Naturforscher Edward Topsell 1608 in seinem Buch »Geschichte der vierbeinigen Tiere« den Drachen ganz selbstverständlich zu den Vierfüßern dieser Welt zählte und besonders dessen »beachtliches Sehvermögen« hervorhob.

Im Dorf Henham im englischen Essex erschien am 27. Mai 1669 ein fliegendes schlangenartiges Wesen aus dem Wald und versetzte die Bevölkerung in Panik. Man verjagte den unerwünschten Besucher, indem man mit Steinen nach ihm warf. Der Schrecken saß den Dörflern tief in den Knochen: Noch heute feiern die Leute in Henham jährlich die Vertreibung dieses geheimnisvollen Drachens.

Im Kongo soll es einen Saurier geben, Mokele-Mbembe genannt, der seit 200 Jahren regelmäßig in der sumpfigen Likouala-Region gesichtet wird, von Eingeborenen und Europäern. Augenzeugen beschreiben Mokele-Mbembe als elefantenähnlich mit langem Hals und kleinem Kopf. Der Schwanz messe etwa drei Meter, und die vier großen Beine seien jeweils mit drei Krallen versehen. Seine gesamte Länge betrage neun Meter. Im Jahre 1980/81 machte sich eine Forschergruppe unter Leitung des amerikanischen Biochemikers Roy Mackal auf die Suche nach dem Untier, fand aber nichts. Dagegen behauptete ein japanisches Filmteam 1992, Luftaufnahmen von dem geheimnisvollen Wesen gemacht zu haben. Leider war die Qualität der Bilder sehr schlecht.

Das sind nur einige wenige von vielen Berichten über die Existenz von drachenähnlichen Geschöpfen, die in den letzten Jahrhunderten an verschiedenen Orten unserer Erde kursierten. Auch »Nessie«, das Ungeheuer vom Loch Ness, zählt zu ihnen. Mal erscheinen sie als geflügelte Vier- oder Zweibeiner, mal als große Schlangen, mal sind es feuerspuckende Drachen wie aus einem Bilderbuch, mit panzerartigen Schuppen bedeckt.

Hin und wieder tauchen sie als Geschöpfe auf, die den Dinosauriern ähneln, wie der oben erwähnte Mokele-Mbembe. Eines haben sie aber fast immer gemeinsam: Es handelt sich beinahe ausnahmslos um Reptilien.

Autor: Erik Bühringer

Eingetragen in Kategorie: Drachen, Fabelwesen, Mythologie