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Zwerg und Riese

Seit allen Zeiten gibt es Berichte von Zwergen und Riesen, welche unter den Menschen lebten, oder aber in der Wildnis umherstreiften. Sagen, Mythen und Legenden sind voll von diesen Wesen. Doch in weit steckt hinter solchen Legenden ein wahrer Kern? Kann man einen Bezug zu solchen Legenden herstellen, welche solche Extreme beschreiben?

Erst seit die moderne Medizin Buch über solche Extremfälle führt, sind uns die aktuellen Rekordhalter dieser Größenbrecher bekannt. An dieser Stelle möchten wir Ihnen zwei dieser Menschen vorstellen, deren Größenunterschied ganze 2,08 Meter beträgt:

Lucia Zarate
Lucia ZarateIm Jahre 1864 erblickte Lucia Zarate das Licht der Welt. Vom Zeitpunkt ihrer Geburt an wuchs dieses Mädchen nur wenige Zentimeter. Als sie ihre volle Größe erreicht hatte war sie kaum größer als eine Puppe und wog weniger als eine Hauskatze. Lucia hatte eine Größe von nicht einmal 50 Zentimetern und wog etwa fünf Pfund. Sie gilt als die kleinste und leichteste Frau die jemals gelebt hat. Im Alter von zwölf Jahren trat sie zum ersten Mal in einer Show in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Sie hatte einen Stundenlohn von 20 Dollar, was für die damalige Zeit ein Vermögen war. Als kleine und reiche Lady starb sie auf tragische Art und Weise. 1890 reiste Lucia Zarate durch die Rocky Mountains, als ihr Zug in einem Schneesturm steckenblieb. Die Temperaturen fielen enorm, was für ihren winzigen Körper zur tödlichen Falle wurde, so dass sie an Unterkühlung starb.

Robert Wadlow
Robert WadlowIm Gegensatz zur zierlichen Lucia Zarate kommen wir nun zu einem wahren Hühnen von Mann, welcher als der Größte belegte lebende Mensch galt. Das Leben des Robert Wadlow war nicht immer leicht. Als er 1918 in Alton, Illinois (USA), mit einem Gewicht von 3800 Gramm geboren wurde, ahnte niemand, was diesen Jungen erwartete. Er war einer der sogenannten “Riesen”. Mit fünf Jahren überragte er mit 1,68 Metern schon seine Mutter, mit acht Jahren und ganzen 1,92 Metern seinen Vater. Seine Eltern versuchten ihn als “normalen” Jungen in die Familie und das Leben einzubeziehen. Er besuchte öffentliche Schulen und trat auch im Alter von 13 Jahren den Pfadfindern bei. In diesem Alter hatte er eine Größe von 2,20 Metern erreicht. Ärzte diagnostizierten Akromegalie, die durch übermäßige Ausschüttung von Wachstumshormonen bei Tumorbildung in der Hypophyse verursacht wird. Die hormonelle Störung wurde nicht behandelt, da sich die Wissenschaftler davor fürchteten, dass diese Fehlschlug und wahrscheinlich zum frühzeitigen Tod des Jungen führen könnte. Von seinen Eltern und seinen vier Geschwistern wurde er in jeglicher Hinsicht unterstützt. Er war für seine Geschwister der große Held.

Doch dieser Held hatte es niemals wirklich leicht in seinem Leben. Neben Verspottungen und Beschimpfungen bereiteten ihm die kleinsten Dinge des Lebens erhebliche Probleme. Er verbrachte ein einziges Jahr auf dem College, bis sein ständiger Wachstum ihn daran hinderte. Seine Hände waren zu groß und ungelenk geworden, um einen Stift zu halten. Kleidung und Schuhe mußten speziell für ihn angefertigt werden, was für die Familie ein finanzielles Problem bedeutete. Daher trat er im Jahre 1937 im Zirkus der Ringling Brothers auf. Dort stellte er sich für einige Minuten dem neugierigen Publikum zur Schau. Er besuchte viele große Städte wie New York oder Boston. Durch seine Größe und seinem enormen Gewicht ereilte ihn ein frühzeitiger Tod. Am 14. Juli 1940 starb er im Alter von nur 22 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Größe von 2,78 Metern und ein Gewicht von 225 Kilogramm erreicht. In der Medizin gilt Robert Wadlow als der größte Mensch, welcher wissenschaftlich nachweisbar jemals gelebt hat. Seinem Wunsch entsprechend wurde sein Sarg in Zement eingebettet, um Plünderer davon abzuhalten, seinen Leichnam zur Schau zu stellen.

Autor: Nadine Schneider

Eingetragen in Kategorie: Anomalien, Hominologie, Krankheiten, Kurioses

Mythos Werwolf

Auf einem malerischen Hügel feierte eine große Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts ein großes Fest. Als dieses im vollem Gange war, hallte ein grauenvoller Schrei durch das Tal. Aufgeschreckt liefen die Leute in die Richtung aus welcher der Schrei gekommen war und entdeckten einen riesigen Wolf, der ein junges Mädchen gepackt hatte. Geifernd vor Wut lies der Wolf von seiner Beute ab und baute sich kampfbereit über ihr auf. Der Wolf spürte die Angst der Menschen, schnappte sich das Mädchen erneut und verschwand mit ihr im Wald.

Der Anfang einer Horrorgeschichte? Nein, der Anfang eines Berichtes über den Mythos “Werwolf“.

Werwolf  (Szenenfoto: Der Fluch von Sienestro)Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jahrhundert vor Chr.) berichtet, dass Griechen und Skythen die Neurer für Zauberer hielten, welche sich einmal im Jahr zu Wölfen verwandeln würden. Heute nimmt man allerdings an, dass sie sich als Wölfe verkleideten. Petronius, der von 54 bis 66 n. Chr. lebte, schrieb mit seinem heute noch bekannten satyrischen Roman “Satyricon” eine Werwolfgeschichte.

Neben dem Teufel ist der Werwolf wohl der Dienstälteste “Bösewicht” den die Welt kennt. So ziehen sich die Überlieferungen über Jahrhunderte hinweg bis in unsere heutige Zeit.

In Amerika gibt es sogenannte “Freakshows”, welche durch die Lande ziehen und tierische und menschliche Kuriositäten ausstellen. In einer dieser Shows wurde auch der “hundsgesichtige” Jojo ausgestellt. Er war am ganzen Körper behaart und hatte angeblich sogar die spitzen Fangzähne eines Wolfes. War dieser Mensch ein Werwolf, der nicht nur bei Vollmond seine Gestalt wechseln konnte, oder eine genetische Missbildung.

Die Menschen nennen dieses Phänomen meist Lykantropie, obwohl auch hier wie bei den Vampiren eine Krankheit namens Porphyrie dahinterstecken könnte. Die Erkrankten haben gelbliche, oft stark behaarte Haut, die extrem lichtempfindlich sein kann. Geschwüre deformieren die Hände der Erkrankten, so dass diese aussehen könnten wie Tierpfoten. Im Urin und in den Zähnen treten oft rote Pigmente auf. Interessant ist auch, dass derart Erkrankte meist psychisch und neurologisch Auffällig sind.

Im Jahr 1598 stieß eine Gruppe Bauern in Frankreich auf den blutüberströmten Körper eines 15jährigen Jungen. Zwei Wölfe, die sich über den Leichnam hergemacht hatten, flüchteten in ein nahegelegenes Dickicht. Man verfolgte sie und fand im Gebüsch einen halbnackten Mann mit klauenartigen Fingernägeln, an denen noch frisches Blut und menschliches Fleisch klebte. Er gab zu gerade damit begonnen zu haben den Jungen in Stücke zu reißen, als sich die Bauern näherten. Jacques Rollet hielt sich seinen Aussagen nach für einen Wolf und aus dieser Wahnvorstellung heraus hatte er auf diese Weise schon mehrere Menschen getötet und verzehrt. Ob nun der von den Bauern zweite beschriebene Wolf wirklich existierte, oder nur deren überreizter Phantasie entsprungen war, kann heute nicht mehr überprüft werden.

Auch eine Möglichkeit für die Sichtung von Werwölfen durch ganze Gruppen von Menschen, könnte die sogenannte Mutterkornvergiftung sein, die durch verdorbenen Roggen ausgelöst wird. Diese Vergiftungen waren in Europa seit dem neunten Jahrhundert weit Verbreitet.

Um die Wirkung einer Mutterkornvergiftung zu veranschaulichen, muss man sagen, dass es zur Herstellung von LSD benutzt wurde. Eine Vergiftung mit Mutterkorn könnte die prächtigsten Werwolfphantasien anregen.

Noch im Jahre 1951 vergifteten sich in Frankreich 300 Menschen. 5 von ihnen starben, der Rest litt unter schrecklichen Halluzinationen. Einer der Erkrankten konnte sich sogar aus der Zwangsjacke befreien, verlor sämtliche Zähne, als er die Lederriemen durchbiß und bog zum Schluß Eisengitter vor dem Krankenhausfenster auseinander, um dem Tiger zu entkommen, der ihn in seinen Wahnvorstellungen “verfolgte”, wie er hinterher erzählte.

Seit es das Medium Film gibt, wurde dieses Phänomen zum Thema zahlreicher Horrorfilme und wird wohl auch in Zukunft noch ganze Generationen von Zuschauern in seinen Bann ziehen. Der Werwolf wird in der Mythologie nie aussterben, es gab ihn seit ewigen Zeiten und er wird immer weiterleben. Ob in Buch oder Film, selbst im Glauben einiger Volksstämme hat er einen fest verwurzelten Platz.

Autor: Martina Lohr

Eingetragen in Kategorie: Fabelwesen, Krankheiten, Mythologie, Wildmenschen

Usertreffen im Senckenbergmuseum

Liebe Leserinnen und Leser,

am Samstag, dem 18.08.2007, fand das Usertreffen im Naturkundemuseum Senckenberg in Frankfurt am Main (Deutschland) statt. Letztendlich hatten sich neben meiner Wenigkeit noch 4 weitere Teilnehmer eingefunden, so das wir eine recht kleine Gruppe blieben. Dennoch war diese Besichtigungstour durch das zu empfehlende Senckenbergmuseum ein voller Erfolg, da wir durch die kleine Gruppenstärke angeregte Diskussionen zu einzelnen Ausstellungsstücken halten konnten.

Natürlich waren die Dinosaurier einer der beeindruckendsten Punkte während der Besichtigung, aber auch bei weiteren Präparaten, wie etwa dem Beutelwolf, dem Flachlandgorilla und seiner Geschichte, dem Quagga, dem Dodo, dem Moa und vielen anderen Ausstellungsstücken blieben wir längere Zeit stehen und redeten über diese Tiere.

Den genauen Inhalt der Gespräche werde ich hier bei dieser kurzen Zusammenfassung nicht wiedergeben, da die Gespräche ohne den direkten Zusammenhang mit den Ausstellungsstücken vollkommen aus dem Kontext gerissen wären.

So möchte ich eigentlich schlussendlich nur noch einmal anmerken, dass diese Besichtigung trotz der kleinen Gruppe faszinierend war. Zudem möchte ich mich bei den Teilnehmern der Veranstaltung an diesem Tag bedanken.

Wir werden dies mit Sicherheit in den Wintermonaten nochmals wiederholen, in der Hoffnung auf ein paar mehr Teilnehmer.

Zwar werde ich hier nicht die Gespräche nochmals aufrollen, aber ein paar Photos des Tages zur Verfügung stellen, damit sich unsere geschätzten Leser ebenfalls ein kleines Bild dieses Tages machen können.


Rekonstruktion eines Diplodocus neben dem Haupteingang


Rekonstruktion eines Diplodocus neben dem Haupteingang


Diplodocus


Treffpunkt am Tyrannosaurus


Treffpunkt


Smilodon-Schädel


Smilodon


Zwergelefant


Mastodon


Urwal-Skelett


Zwergelefant


Urhuftier - Rekonstruktion


Urhuftier


Pteranodon


Quetzalcoatlus


Flachlandgorilla


Nilkrokodil


Beutelwolf


Beutelwolf


Goliathfrosch


Engelhai / Meerengel


Megalodon-Zahn


Haizahn


Quagga


Triceratops-Schädel


Triceratops


Tyrannosaurus rex


Tyrannosaurus rex


Stegosaurus


Oviraptor


Plesiosaurier-Schädel


Plesiosaurier

Autor: Michael Schneider
Photos: Michael Schneider

Eingetragen in Kategorie: Veranstaltung

Die krähende Schopfkobra

Zeichnerische Darstellung der Schopfkobra  (Zeichnung: Nadine Schneider)Im Mai des Jahres 1959 fuhr John Knott aus dem Ort Binga in Südrhodesien (heute Simbabwe) in Afrika mit seinem Wagen, um sich auf den Weg nach Hause zu begeben. Nachdem er eine Weile auf der holprigen Piste gefahren war, nahm er kurz vor sich auf der Straße etwas längliches wahr, konnte aber nicht schnell genug ausweichen oder abbremsen. So geschah es, dass er mit seinem Wagen darüber hinwegrollte und erst kurz danach zum stehen kam. Als er ausstieg stellte er fest, das es sich um eine mehrere Meter lange Schlange handelte, welche er mit seinem Wagen überfahren und getötet hatte. Doch irgend etwas irritierte John Knott an diesem Anblick. Er hatte bereits viele Schlangen gesehen, aber was sich hier seinen Augen bot war doch mehr als ungewöhnlich. Vorsichtig näherte er sich dem Kadaver, um einen besseren Blick auf die Schlange werfen zu können. Nachdem er sich sicher war dass das Tier tatsächlich nicht mehr lebte, begab er sich zum Kopf des Tieres und betrachtete diesen genau. Der Kopf dieser Schlange besaß oben einen symmetrischen Kamm, welcher anscheinend mittels 5 hebelähnlicher Knorpel beweglich war, so dass die Schlange diesen Kamm aufstellen und zurückklappen konnte.

Ernstzunehmende Berichte dieser Art existieren viele aus den tropischen Gebieten Afrikas, in denen von einer kammtragenden Schlange berichtet wird, welche bislang zoologisch allerdings nicht nachgewiesen werden konnte. In vielen Berichten durch Beobachter dieser Schlange werden auch Kehllappen erwähnt, welche seitlich der Mundpartie münden. Ein weiterer Punkt, der oftmals erwähnt wird, ist ein ungewöhnlicher Ton, welchen diese Schlange ausstößt und der an das heisere Krähen eines Hahnes erinnern soll. Aufgrund dieser Beschreibungen wird sie auch als “Krähende Schopfkobra” bezeichnet, obwohl sie nicht unbedingt das Aussehen aufweist, welches für eine Kobra typisch ist. Diese Schlange ist unter der Bevölkerung zudem seit langem unter verschiedenen Namen bekannt, so auch unter dem Namen “Inkhomi”, was soviel wie “Mörder” bedeutet. Der Biß dieser Schlange soll extrem gefährlich sein und in den meisten Fällen binnen weniger Minuten zum Tode führen.

Kobra  (Photo: Archivbild)Im Jahr 1944 behauptete ein gewisser Dr. J.O. Shircore aus Koranga in Malawi, er sei im Besitz eines konservierten Kammes mit einem Teil des Halses dieser Schlange. Jedoch ist nicht bekannt, was aus diesem konservierten Überrest wurde. Aus mehreren Berichten geht hervor, dass diese Schlange eine Größe von bis zu 6 Metern Körperlänge erreichen kann. Sie ist äußerst aggressiv und angriffslustig. Wenn man sich dieser Schlange nähert, so richtet sie den Oberkörper auf, spreizt den Kamm auf dem Kopf und bläht die Kehllappen ein wenig auf. Von ihrem Aussehen erinnert sie dabei sehr stark an den mythologischen Basilisken. Das Verhalten erinnert an jenes von Kobras oder auch dem der australischen Kragenechsen (Chlamydosaurus kingii), welche bei Gefahr den Nacken aufblähen und sich aufrichten.

Wie bereits erwähnt ist diese Schlangenart bisher nicht zoologisch katalogisiert, da bislang kein lebendes oder totes Exemplar zoologisch untersucht werden konnte. Alle Indizien dieses merkwürdige Reptils betreffend beruhen auf Zeugenaussagen und den Erzählungen der Eingeborenen. Wenn man davon ausgeht das es sich um eine seltene Schlangenart handelt, welche in den tropischen Regionen Zentralafrikas mit viel Vegetation lebt, so scheint es durchaus möglich, das sie auch noch längere Zeit unentdeckt weiterexistieren kann. Da man in diesen Regionen, abgesehen von einigen Ausnahmen, mit diesen Schlangen lebt und keine große wissenschaftliche Struktur besteht, werden diese auch nicht unbedingt gemeldet, falls wieder einmal ein Exemplar auftaucht. Eventuell werden wir wieder durch einen Zwischenfall auf einer Straße, ähnlich jenem von John Knott, ein Exemplar erhalten, welches dann auch noch in die richtigen Hände vor Ort fällt. Fakt ist, das sich nicht nur ein Fabelwesen hinter all den Erzählungen verbirgt, denn hierzu stimmen zu viele Details aus weiten Gebieten Afrikas treffend überein.

Autor: Michael Schneider

Eingetragen in Kategorie: Kryptozoologie, Reptilien, Schlangen

Orang Pendek

Der kurze Waldmann Sumatras

Die Insel Sumatra ist mit 473.482 km² die sechstgrößte der Welt. Wir befinden uns im 15.000 Quadratkilometer großen Kerinci-Seblat-Nationalpark. Tapire und Großkatzen kreuzen die Wege des Wanderers. Plötzlich und unerwartet huscht ein kleiner Schatten durch das Unterholz des dichten Bergregenwaldes. Es ist ein aufrecht gehendes Wesen mit langen Armen und menschenähnlichem Aussehen: der Orang Pendek!

Der “Orang Pendek” wird in der Landessprache auch oft “Sedapa” genannt und geistert seit den Sichtungen von Deborah Martyr 1995 wieder vermehrt durch die Presse. Sie hatte ihn Mr. Burglar (Herr Dieb) genannt, da er immer wieder in ihr Lager eindrang und Lebensmittel stahl. Das man die Forschungen ernst nehmen sollte beweist die Tatsache, dass ihre Arbeit durch die britische Umweltschutzorganisation “Fauna and Flora International” unterstützt wird. Schon 1818 wurde der Orang Pendek im “Marco Polo” von William Marsden erwähnt. Er war Sekretär in Benkoelen/Sumatra. Wie folgt beschrieb er die “Wesen” das erste Mal: “Er hatte lange Arme, ein menschenähnliches Gesicht, aufrechten Gang und ist wohl ein Einzelgänger, der in den Bergen lebt.”

Orang Utan  (Photo: Archivbild)Allerdings vermutetet Marsden hinter dem Orang Pendek eine der beiden auf der Insel lebenden Stämme der Ureinwohner. Beide leben sehr zurückgezogen und pflegten zu dieser Zeit noch keinen Kontakt mit der zivilisierten Welt. Auch der Name, den die Bevölkerung ihm zu seiner Sichtung nannte, brachte ihn auf dieses Ergebnis. Orang Pendek, was soviel heißt wie “Kurzer Mann”. In der Sprache der Einheimischen ist Orang Utan (”Waldmensch”) eine abfällige Bemerkung, in Ost-Sumatra für einen anderen Menschen.

Die gezielte Suche nach dem Orang Pendek begann allerdings schon 1890. Der Holländer Dubois, angeregt durch Darwins Evolutionstheorien, begab sich in den Kerinici-Seblat-Nationalpark und wurde dort auch fündig. In einer Höhle entdeckte er einen menschlichen Zahn. Nach neuesten Untersuchungen ist dieser ca. 80.000 Jahre alt. Auch auf der Nachbarinsel Java konnte er Beweise für eine frühe Bevölkerung finden. Ein Schädel mit Backenzahn und einen Oberschenkelknochen. Der Anatom schloß aus dem Oberschenkelknochen darauf, dass es sich um ein aufrecht gehendes Wesen handeln musste, den Homo erectus.

Sieht man sich die häufigsten Beschreibungen eines Orang Pendeks an, kommt man zu folgendem Ergebnis:

  • Größe: bis zu 1,20 m
  • Aufrecht auf den Beinen gehend
  • Braun-schwarze Körperbehaarung, am Kopf des öfteren mit einer längeren Mähne beschrieben

Homo erectusWürde man jetzt eine Zeichnung anfertigen, mit sämtlichem Wissen über gefundene Zähne, Schädelfragmenten und Oberschenkelknochen, käme eine Mischung aus Urzeitmensch und Affen heraus. Der “Missing Link” zwischen Mensch und Tier?

Der Orang Pendek wird meist mit geringer Körperbehaarung beschrieben, was gegen die Affenthese sprechen würde. Nur hat man hier einen überlebenden Urzeitmenschen oder ein Tier vor sich?

1923 wurde im westlichen Sumatra angeblich ein junger Orang Pendek erlegt und in das zoologische Museum in Buitenzorg verbracht. Es handelte sich um ein etwa 40 Zentimeter großes Exemplar mit menschenähnlichen Gesichtszügen. Leider stellte sich dieser Fund als “Scherz” heraus. Die “Jäger” hatten einen jungen Affen rasiert, den Schwanz entfernt und die Eckzähne abgefeilt, um ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Immer wieder fand und findet man auch unidentifizierbare Fußabdrücke auf Sumatra, Java und aus allen Teilen Südostasiens. Sie werden meist als “dreieckig” und ca. 15 cm lang und 10 cm breit beschrieben. Die Fährten sehen sehr menschenähnlich aus, auch wenn die große Zehe an der Außenseite sitzt. Jener Fuß, der zu diesen Trittsiegeln passt, müsste zwar schlank, aber dennoch nicht menschlich sein, rein von der Anatomie her. Der Fuß ist zu kurz, wenn man die Breite der Spuren mit einbezieht.

Aber zurück zu Deborah Martyr und nach 1995. Aufgrund der Spuren rund um das Camp und teilweise auch im Camp, hervorgerufen durch die “Diebeszüge” der Orang Pendeks, konnte sie 4 verschiedene Wesen identifizieren. Wie bei den Menschen unterscheiden sich auch hier die Fußspuren. Es gibt verschiedene Längen, Breiten und auch die Zehenform unterscheidet sich grundlegend. Interessant an den “Beutezügen” im Camp ist allerdings die Tatsache, dass noch nie gezielt nach verbliebenen Haaren gesucht wurde. Jeder Mensch und jedes Tier hinterlässt an einem “Tatort” seinen persönlichen Fingerabdruck. Ein einziges Haar, auch Fingerabdrücke an Gegenständen, könnten hier interessant werden. Mit der heutigen Technik könnte man anhand der DNA-Analyse sehr viel über dieses Wesen herausfinden. Warum hat man das Camp nicht gezielt nach solchen “Überbleibseln” abgesucht?

Den Einwand “Najaaa, das war doch schließlich 1995″ kann man hier nicht gelten lassen. Zu einer akribischen Forschung zählt vor allem das Sammeln sämtlicher Indizien, was hier anscheinend nicht geschehen ist. Man kann nirgends etwas über Kot, Haare oder Handabdrücke finden. Wobei hier vor allem die Abdrücke der Hände interessant wären. Ein Affe z.B. benutzt seine Daumen nicht - aber wie greift der Orang Pendek? Greift er mit dem Daumen, könnte es wirklich ein “Mensch” sein. Wenn die Orang Pendeks wirklich in das Camp eingedrungen sind und es sich nicht um normale Affen handelte, hat man hier sehr schlampig gearbeitet. Bloße Fußabdrücke sind als Beweis nicht ausreichend.

Anscheinend wurden auch Haare gefunden, nur wo? Leider ist das nicht dokumentiert und das wäre hier wichtig. Wurden die Haare auf einer Fährte oder im Camp gefunden? Oder fand man die Haare im Urwald, ohne jeglichen Beweis oder Bezug auf den Orang Pendek? Es wurden Fotofallen aufgestellt und man konnte viele bisher unbekannte, oder verschollen geglaubte, Tiere fotografieren. Nur der Orang Pendek war bisher zu schlau, um in eine dieser Fallen zu “tapsen”, was für seine Intelligenz spricht. Der Rest der Forschung besteht anscheinend nur noch aus der Suche nach dem Orang Pendek, wobei wieder nur die Fußspuren im Vordergrund stehen. Es ist auch mir klar, dass man die Spuren nicht bis zum Ende verfolgen kann, dennoch findet man an solchen Fährten oft Reste des Tieres (Menschen), von dem die Spur stammt. Hier sind wir wieder bei Haaren und Kot. Vor allem in den dichten Wäldern Sumatras müsste hier etwas zu finden sein. Der Orang Pendek wird immer wieder beschrieben, wie er sich mit seinen langen Armen einen Weg durch den dichten Wald bahnt. Kein Tier kann das Unterholz durchstreifen ohne einige Haare zu verlieren. Hier wäre es weitaus sinnvoller gewesen nach den Resten zu suchen, anstatt nicht nur zu versuchen das Tier zu fotografieren oder einzufangen. Mit all den hier zur Verfügung stehenden Mitteln wurde nichts angefangen und eine gute Chance hinter das Geheimnis des Pendek zu gelangen einfach vertan.

Orang Pendek (Künstlerentwurf)Was der Orang Pendek nun wirklich ist wird bis zu einem endgültigen Beweis (Foto, Fang) ein Rätsel bleiben. Ist es ein überlebender Homo erectus, ein Tier oder ganz etwas anderes? Wenn ja, um welches Tier handelt es sich? Eine unbekannte Affenart? Beim Thema Orang Pendek ist die Spekulation offen, wie bei seinem großen Verwandten, dem amerikanischen Bigfoot. Auch hier hat man bis heute keine eindeutigen Beweise finden können.

Eine traurige Tatsache ist allerdings, dass die Sichtungen seit ca. 50 Jahren immer mehr zurückgehen. Nur noch aus den entlegensten Winkeln der Nationalparks kommen ab und zu Sichtungsmeldungen. Offensichtlich wird der Orang Pendek durch zunehmenden Tourismus und die Abholzung der Regenwälder immer weiter in seinem natürlichen Lebensraum bedrängt. Stirbt der Orang Pendek aus bevor man ihn finden kann?

Die Insel Sumatra (Indischer Ozean)
Die Insel Sumatra (Indischer Ozean)

Autor: Martina Lohr

Eingetragen in Kategorie: Hominologie, Kryptozoologie, Wildmenschen