Der Fährtenleser: Ausgaben 1 – 12

Der Fährtenleser

Die Ausgaben 1 – 12 des Kryptozoologie-Magazins Der Fährtenleser sind als Print komplett vergriffen und können nicht mehr geliefert werden. Die letzten verfügbaren Exemplare sind ausverkauft, eine Neuauflage ist nicht mehr vorgesehen.

Ob und wann die Reihe ab Ausgabe 13 weitergeführt werden wird, steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest, da anderweitige Projekte derzeit im Vordergrund stehen und das Interesse an der Reihe nicht so hoch wäre, um diese als prioritäres Projekt zu behandeln.

Das Geheimnis der grünen Kinder

Während meiner Studien über menschliche Anomalien bin ich mehrfach über Geschichten von Kindern gestolpert, welche quasi aus dem Nichts auftauchen. Soweit nichts ungewöhnliches, wenn da nicht bei vielen Geschichten eine seltsame grüne Färbung der Haut oder der Haare beschrieben wird.

Besonders in Asien gibt es viele Berichte und Geschichten von verwilderten Kindern, welche mit grünen Haaren gefunden wurden, bzw. diese irgendwann in der Nähe von Dörfern auftauchten. Dabei interessierte mich vor allem der Aspekt der grünen Haare, da mir dieses Phänomen von Tieren bereits bekannt war.

Im Herbst 1995 wurde auf einem Heuboden in Dybvad im Nordwesten von Dänemark ein zwei Monate altes Kätzchen gefunden. Als man es näher betrachtete war man sehr überrascht – das Fell und die Krallen des Tieres waren leuchtend grün. Alle Versuche diese seltsame Färbung abzuwaschen schlugen fehl. Tierärzte, die das Kätzchen untersuchten, und Forscher der Universitätsklinik von Kopenhagen, die Proben des Fells prüften, meinten, dass das Tier bereits grün geboren wurde, da die Kupferschicht von der Haarwurzel bis zur Spitze reichte. Die Färbung des Tieres entstand, da das Kätzchen oder seine Mutter, während sie trächtig war, mit kupferkontaminiertem Wasser in Berührung gekommen ist.

Einige Jahre zuvor entdeckte man in einer südschwedischen Stadt, das korrodierende Kupferrohre dafür verantwortlich waren, dass die Haare mehrerer blonder Frauen grün wurden!

Betrachtet man nun die Erzählungen über grüne Kinder, lassen sich diese Fälle recht einfach erklären, ohne das man auf Naturgeister oder Außerirdische als Erklärung zurückgreifen muss.

Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Der wohl bekannteste Fall von grünen Kindern jedoch stammt aus dem Mittelalter und fand in England statt. Die erstaunliche Geschichte der grünen Kinder von Woolpit wurde erstmals von zwei englischen Chronisten des Mittelalters aufgezeichnet – von Ralph, dem Abt von Cogges-hall und William von Newburgh. Eines Tages, zur Zeit König Stephens (1135 –1154 n. Chr.), wurden zwei verlassene, verzweifelt weinende Kinder in den großen Fallen gefunden, die man im Ort Woolpit, in Suffolk, angelegt hatte, um Wölfe zu fangen. Die Aufregung, die sie verursachten, lag an ihrem Aussehen – ihre Kleider, Augen und vor allem ihre Haut waren grün! Sie wurden beim dort ansässigen Grundbesitzer Richard de Calne untergebracht und weigerten sich noch eine geraume Zeit etwas anderes als grüne Bohnen zu essen. Das jüngere der beiden Kinder, ein Junge, starb ein Jahr später, doch das andere Kind, ein Mädchen, wuchs auf und verbrachte sein restliches Leben in diesem Gebiet.

Langsam verschwand der Grünstich ihrer Haut, und als sie erwachsen war, heiratete sie einen Mann aus King’s Lynn in Norfolk. Sie lernte auch Englisch und konnte schließlich den Menschen erzählen, dass sie und der Junge aus einem Staat namens Martinsland gekommen waren, in dem es keine Sonne gab und ständig Dämmerung herrschte. Sie waren ihrem Stamm gefolgt, als sie einen unterirdischen Tunnel betraten und auf der anderen Seite im hellen Sonnenlicht von Woolpit wieder herauskamen.

Es gab viele Versuche diese seltsame Geschichte zu erklären. Einige Forscher haben sie einfach als nettes Märchen abgetan, da die Kinder grüne Haut (die Farbe der Elfen) hatten und nur grüne Bohnen aßen (laut der keltischen Mythologie die Speise der Toten). Andere suchten eine Verbindung zu Englands traditionellem Grünen Mann oder Jack-in-the-Green – einem blätterbedeckten, übernatürlichen Wesen, das Fruchtbarkeit und den Frühlingsbeginn symbolisiert. Es wurde auch vermutet, dass die Kinder aus einer mysteriösen Welt stammten, die unter der Erdoberfläche besteht und in der es keine Sonne gibt, oder aus einer parallelen Dimension, aus der sie zufällig in unsere kamen.

In unserer Zeit kam noch eine bedeutend nüchternere Erklärung hinzu. In den 1980er Jahren besuchte der Forscher Paul Harris Woolpit und erfuhr, dass die Bewohner annehmen, die Geschichte gehe auf eine Legende von einem Grafen zurück, der im Mittelalter in Norfolk herrschte und der Vormund von zwei kleinen Kindern war. Er versuchte ohne Erfolg die Kinder mit Arsen zu vergiften und setzte sie schließlich im Wayland Wood im Gebiet des Thetford Forest an der Grenze zwischen Norfolk und Suffolk aus. Hier würden sie sicher sterben, und er könnte das Anwesen übernehmen, das sie bei Erreichen der Volljährigkeit erhalten sollten. Laut den Bewohnern von Woolpit wurden daraus wahrscheinlich die grünen Kinder, die man später krank und verwirrt, jedoch lebend fand. Das Erstaunliche bei dieser Erklärung ist, dass die Haut durch Arsenvergiftung grün werden kann. Das selbe Phänomen kann auch bei Blutarmut auftreten, die durch Unterernährung entsteht, woran die Kinder wahrscheinlich litten. Dies würde auch erklären, warum die Haut des Mädchens normale Färbung annahm, sobald sie ordentlich ernährt wurde.

Harris glaubt, dass es auch für den Rest der Geschichte eine vernünftige Erklärung gibt. Es gibt einige Kilometer nordwestlich von Woolpit einen Ort namens Fornham St. Martin, was die Herkunft von „Martinsland“ erklären könnte. Im weiter nördlich gelegenen Thetford Forest, der extrem dunkel ist, befinden sich auch viele neolithische Feuersteinminen mit Gängen. Vielleicht gingen die beiden Kinder durch eine, die nach Woolpit führte.

Weitergehend reisten die Menschen im 12. Jahrhundert nicht weit, so dass ihnen der Dialekt der Kinder, die aus einem anderen Ort kamen, wirklich seltsam vorgekommen sein mag.

Die Geschichte der grünen Kinder von Woolpit nimmt noch eine letzte, überraschende Wendung. Aus Spanien gibt es eine beinahe identische Erzählung, die im August 1887 im katalanischen Ort Banjos spielt. Tatsächlich ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Geschichten, abgesehen vom Ort und der Zeit, die Tatsache, dass in der spanischen Version auch das Mädchen nach ungefähr fünf Jahren stirbt. Auch über ihre Vorliebe für Bohnen wird erzählt, und zu allem Überfluss heißt der Adelige, der sie nach ihrer Entdeckung bei sich aufnimmt, Senior Ricardo da Calno – Sir Richard de Calne nicht gerade unähnlich!

Diese Geschichte wurde ohne Zweifel in einigen Büchern aufgenommen; in The Monster Trap and Other True Mysteries wiederholt Peter Haining die Behauptung von John Macklin, dass die Dokumente und Aussagen der Menschen, die die grünen Kinder sahen und für sie sorgten, noch existieren. 1986 enthüllte Frank Preston jedoch, dass er ans British Council in Barcelona geschrieben hatte, um Informationen über die Geschichte zu erhalten, doch konnte das Institut keinerlei Hinweise finden, obwohl es für ihn intensive Nachforschungen anstellte und sogar spanische Bibliotheken, Museen und Rathausarchive kontaktierte. Auch in den Zeitungen vom August 1887 gab es keine Spur der Geschichte. Das überrascht nicht, denn der Ort Banjos existiert nicht. Er wurde genauso erfunden wie die Geschichte der grünen Kinder. Der Verfasser ließ sich zweifellos von der Geschichte von Woolpit inspirieren und wollte eine modernere Version schaffen.

 

 

Autor: Sabine Ammer

Quelle: Karl P.N. Shuker, Weltatlas der rätselhaften Phänomene

Motivbild: Der Fährtenleser 6

Werte Leserinnen und Leser,

heute erhielt ich von unserem Leser Thomas D. eine Anfrage, was es denn mit dem Motiv auf dem Cover unseres Heftes Der Fährtenleser 6 auf sich hat. Aber eigentlich steht die Antwort bereits im Heft selbst, denn die Inhalte befassen sich u.a. mit dem Loveland-Frog und dem Lizard-Man. Das Gemälde, welches das Cover ziert, wurde nach Zeugenaussagen angefertigt und ist im Original ein Bestandteil unserer umfangreichen Sammlung.


Froschwesen, Loveland-Frog
Froschwesen überquert Straße, Gemälde nach Zeugenaussagen

2014: Kryptozoologie im Twilight-Line Verlag

RopenWerte Leser und Freunde der Kryptozoologie,

wir haben in diesen Tagen eine Bestandsaufnahme unserer Publikationen mit kryptozoologischer Thematik im Twilight-Line Verlag aufgenommen und mussten feststellen, dass unsere letzte kryptozoologisch relevante Publikation noch aus dem Jahr 2011 stammt. Faktisch haben wir in den vergangenen beiden Jahren keinen einzigen Thementitel aus einem unserer Kernpunkte des Verlagsprogramms hervorgebracht, bzw. aufgrund anderer Planungen auf Eis liegen lassen. Tatsächlich haben wir in 2012 und 2013 zu viel Arbeit in andere Bereiche gesteckt und zu viele unserer internen Ressourcen darauf abgestellt, wobei unser Kernprogramm des Verlags auf der Strecke geblieben ist.

Dabei ist die Frage des inhaltlichen Materials nicht das Problem, da wir hier ein recht umfangreiches Kontingent an halbfertigen Projekten vorliegen haben, vielmehr fehlt uns intern die nötige Zeit, um diese in ein veröffentlichbares Medium umzuwandeln.

Nach reiflicher Überlegung haben wir somit in den vergangenen Tagen das Gesamtkonzept der Projektplanungen für das Jahr 2014 angepasst und überarbeitet. Höchste Priorität haben im kommenden Jahr die beiden Redaktionsreihen „Kryptozoologie“ und „Der einsame Schütze“, welche das eigentliche Grundprogramm des Verlags darstellen. In diese beiden Kernbereiche werden wir ab Januar 2014 unsere Verlagsschwerpunkte verlegen.

Im Redaktionsbereich „Der einsame Schütze“ wird die Reihe „ParaMagazin“ als auch die Themenedition weiter ausgebaut, wobei wir auch 2012 und 2013 einige Projekte umsetzen konnten. Der Redaktionsbereich „Kryptozoologie“ wird mit vier Themenschwerpunkten arbeiten, wobei der erste Schwerpunkt die Wiederaufnahme des Onlineportals von Kryptozoologie.net darstellt. Hier werden wir noch in 2013 massiv daran arbeiten und diese wichtige Schnittstelle zwischen unseren Lesern und dem Verlag ausbauen. Neben dem Onlineportal werden wir ab 2014 unser Themenmagazin „Der Fährtenleser“ weiterführen. Hinzu kommt die Fortführung unserer KryptoFiction-Reihe, welche derzeit bereits mit Verborgene Wesen III ab November 2013 am Start steht.

Aber der wohl wichtigste Punkt sind die Themenbücher. Hier werden wir 2014 einige neue Titel präsentieren, die im Laufe des Jahres fertiggestellt und in den Buchhandel kommen werden. Unter dem neuen Reihentitel Kryptozoologie-Akten, welcher schon seit längerer Zeit vorgeplant ist, wird Michael Schneider mit einem Großprojekt starten, an welchem seit mehr als 10 Jahren gearbeitet wurde. Diese Reihe ist eine Pocketbookserie, die sich mit jedem Band einem speziellen Kryptiden zuwendet. Derzeit befinden sich bereits 63 Bände in der Endphase der Vorbereitung, an weiteren wird nach wie vor gearbeitet. Dieses Großprojekt wird im Januar 2014 starten und derzeit mit jeweils einem Band im Monat vorgeplant.

Man darf also auf das kommende Jahr gespannt sein.