Briefmarken aus Island

Im Jahre 2009 gab die isländische Post eine Serie von Briefmarken heraus, auf denen einige der mythologischen Wesen der Insel dargestellt werden:


Isländische Briefmarken (2009)

Weitere Informationen über isländische Mythenwesen findet man auch in folgendem Buch: Phantastische Orte

Das Geheimnis der grünen Kinder

Während meiner Studien über menschliche Anomalien bin ich mehrfach über Geschichten von Kindern gestolpert, welche quasi aus dem Nichts auftauchen. Soweit nichts ungewöhnliches, wenn da nicht bei vielen Geschichten eine seltsame grüne Färbung der Haut oder der Haare beschrieben wird.

Besonders in Asien gibt es viele Berichte und Geschichten von verwilderten Kindern, welche mit grünen Haaren gefunden wurden, bzw. diese irgendwann in der Nähe von Dörfern auftauchten. Dabei interessierte mich vor allem der Aspekt der grünen Haare, da mir dieses Phänomen von Tieren bereits bekannt war.

Im Herbst 1995 wurde auf einem Heuboden in Dybvad im Nordwesten von Dänemark ein zwei Monate altes Kätzchen gefunden. Als man es näher betrachtete war man sehr überrascht – das Fell und die Krallen des Tieres waren leuchtend grün. Alle Versuche diese seltsame Färbung abzuwaschen schlugen fehl. Tierärzte, die das Kätzchen untersuchten, und Forscher der Universitätsklinik von Kopenhagen, die Proben des Fells prüften, meinten, dass das Tier bereits grün geboren wurde, da die Kupferschicht von der Haarwurzel bis zur Spitze reichte. Die Färbung des Tieres entstand, da das Kätzchen oder seine Mutter, während sie trächtig war, mit kupferkontaminiertem Wasser in Berührung gekommen ist.

Einige Jahre zuvor entdeckte man in einer südschwedischen Stadt, das korrodierende Kupferrohre dafür verantwortlich waren, dass die Haare mehrerer blonder Frauen grün wurden!

Betrachtet man nun die Erzählungen über grüne Kinder, lassen sich diese Fälle recht einfach erklären, ohne das man auf Naturgeister oder Außerirdische als Erklärung zurückgreifen muss.

Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Der wohl bekannteste Fall von grünen Kindern jedoch stammt aus dem Mittelalter und fand in England statt. Die erstaunliche Geschichte der grünen Kinder von Woolpit wurde erstmals von zwei englischen Chronisten des Mittelalters aufgezeichnet – von Ralph, dem Abt von Cogges-hall und William von Newburgh. Eines Tages, zur Zeit König Stephens (1135 –1154 n. Chr.), wurden zwei verlassene, verzweifelt weinende Kinder in den großen Fallen gefunden, die man im Ort Woolpit, in Suffolk, angelegt hatte, um Wölfe zu fangen. Die Aufregung, die sie verursachten, lag an ihrem Aussehen – ihre Kleider, Augen und vor allem ihre Haut waren grün! Sie wurden beim dort ansässigen Grundbesitzer Richard de Calne untergebracht und weigerten sich noch eine geraume Zeit etwas anderes als grüne Bohnen zu essen. Das jüngere der beiden Kinder, ein Junge, starb ein Jahr später, doch das andere Kind, ein Mädchen, wuchs auf und verbrachte sein restliches Leben in diesem Gebiet.

Langsam verschwand der Grünstich ihrer Haut, und als sie erwachsen war, heiratete sie einen Mann aus King’s Lynn in Norfolk. Sie lernte auch Englisch und konnte schließlich den Menschen erzählen, dass sie und der Junge aus einem Staat namens Martinsland gekommen waren, in dem es keine Sonne gab und ständig Dämmerung herrschte. Sie waren ihrem Stamm gefolgt, als sie einen unterirdischen Tunnel betraten und auf der anderen Seite im hellen Sonnenlicht von Woolpit wieder herauskamen.

Es gab viele Versuche diese seltsame Geschichte zu erklären. Einige Forscher haben sie einfach als nettes Märchen abgetan, da die Kinder grüne Haut (die Farbe der Elfen) hatten und nur grüne Bohnen aßen (laut der keltischen Mythologie die Speise der Toten). Andere suchten eine Verbindung zu Englands traditionellem Grünen Mann oder Jack-in-the-Green – einem blätterbedeckten, übernatürlichen Wesen, das Fruchtbarkeit und den Frühlingsbeginn symbolisiert. Es wurde auch vermutet, dass die Kinder aus einer mysteriösen Welt stammten, die unter der Erdoberfläche besteht und in der es keine Sonne gibt, oder aus einer parallelen Dimension, aus der sie zufällig in unsere kamen.

In unserer Zeit kam noch eine bedeutend nüchternere Erklärung hinzu. In den 1980er Jahren besuchte der Forscher Paul Harris Woolpit und erfuhr, dass die Bewohner annehmen, die Geschichte gehe auf eine Legende von einem Grafen zurück, der im Mittelalter in Norfolk herrschte und der Vormund von zwei kleinen Kindern war. Er versuchte ohne Erfolg die Kinder mit Arsen zu vergiften und setzte sie schließlich im Wayland Wood im Gebiet des Thetford Forest an der Grenze zwischen Norfolk und Suffolk aus. Hier würden sie sicher sterben, und er könnte das Anwesen übernehmen, das sie bei Erreichen der Volljährigkeit erhalten sollten. Laut den Bewohnern von Woolpit wurden daraus wahrscheinlich die grünen Kinder, die man später krank und verwirrt, jedoch lebend fand. Das Erstaunliche bei dieser Erklärung ist, dass die Haut durch Arsenvergiftung grün werden kann. Das selbe Phänomen kann auch bei Blutarmut auftreten, die durch Unterernährung entsteht, woran die Kinder wahrscheinlich litten. Dies würde auch erklären, warum die Haut des Mädchens normale Färbung annahm, sobald sie ordentlich ernährt wurde.

Harris glaubt, dass es auch für den Rest der Geschichte eine vernünftige Erklärung gibt. Es gibt einige Kilometer nordwestlich von Woolpit einen Ort namens Fornham St. Martin, was die Herkunft von „Martinsland“ erklären könnte. Im weiter nördlich gelegenen Thetford Forest, der extrem dunkel ist, befinden sich auch viele neolithische Feuersteinminen mit Gängen. Vielleicht gingen die beiden Kinder durch eine, die nach Woolpit führte.

Weitergehend reisten die Menschen im 12. Jahrhundert nicht weit, so dass ihnen der Dialekt der Kinder, die aus einem anderen Ort kamen, wirklich seltsam vorgekommen sein mag.

Die Geschichte der grünen Kinder von Woolpit nimmt noch eine letzte, überraschende Wendung. Aus Spanien gibt es eine beinahe identische Erzählung, die im August 1887 im katalanischen Ort Banjos spielt. Tatsächlich ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Geschichten, abgesehen vom Ort und der Zeit, die Tatsache, dass in der spanischen Version auch das Mädchen nach ungefähr fünf Jahren stirbt. Auch über ihre Vorliebe für Bohnen wird erzählt, und zu allem Überfluss heißt der Adelige, der sie nach ihrer Entdeckung bei sich aufnimmt, Senior Ricardo da Calno – Sir Richard de Calne nicht gerade unähnlich!

Diese Geschichte wurde ohne Zweifel in einigen Büchern aufgenommen; in The Monster Trap and Other True Mysteries wiederholt Peter Haining die Behauptung von John Macklin, dass die Dokumente und Aussagen der Menschen, die die grünen Kinder sahen und für sie sorgten, noch existieren. 1986 enthüllte Frank Preston jedoch, dass er ans British Council in Barcelona geschrieben hatte, um Informationen über die Geschichte zu erhalten, doch konnte das Institut keinerlei Hinweise finden, obwohl es für ihn intensive Nachforschungen anstellte und sogar spanische Bibliotheken, Museen und Rathausarchive kontaktierte. Auch in den Zeitungen vom August 1887 gab es keine Spur der Geschichte. Das überrascht nicht, denn der Ort Banjos existiert nicht. Er wurde genauso erfunden wie die Geschichte der grünen Kinder. Der Verfasser ließ sich zweifellos von der Geschichte von Woolpit inspirieren und wollte eine modernere Version schaffen.

 

 

Autor: Sabine Ammer

Quelle: Karl P.N. Shuker, Weltatlas der rätselhaften Phänomene

Der Mythos Godzilla


Godzilla
Godzilla
Die Erde erbebt unter mächtigen Schritten, Menschen fliehen in wilder Panik und ganze Städte werden dem Erdboden gleichgemacht. Dies alles geschieht durch ein gewaltiges Ungetüm, welches wie eine postapokalyptische Vision eines Dinosauriers aussieht und dessen Ausmaße gewaltig sind. Der Name dieses Ungetüms: GODZILLA


Godzilla

Wohl jeder hat schon einmal von diesem japanischen Filmmonster gehört oder kennt mindestens einen Film des erfolgreichsten Filmmonsters aller Zeiten. Mit weit mehr als 25 japanischen Produktionen und einer amerikanischen Version von Erfolgsregisseur Roland Emmerich bricht Godzilla somit alle Rekorde in der Zahl der Auftritte als reines Monster.

Das Godzilla ein Filmmonster ist steht wohl außer Frage. Jedoch ist um dieses Monster eine Legende entstanden, welche auf einen wahren Kern hinter Godzilla hinzuweisen scheint. Hierzu sollte man erwähnen, das Godzilla im Grunde genommen nur eine Interpretation seines japanischen Namens ist, welche sich beim Import des Films für das amerikanische Publikum eingebürgert hat, da man den Originalnamen nicht für einprägsam und zu schwierig hielt. So wurde aus dem japanischen Original Gojira kurzerhand der in westlicher Welt verbreitete Name Godzilla.

Dieses Monster war so erfolgreich, das schon bald erste Legenden um die Herkunft des Monsters entstanden, so dass dieses einen festen Platz in der Legendenwelt erhielt. Im Internet und einigen anderen Veröffentlichungen findet man so z.B. die Geschichte, dass der Godzilla im Film auf einer wahren Gestalt beruhen soll, vor welcher japanische Fischer seit Jahrhunderten Angst haben. Dieser Gojira soll ein gewaltiges Ungeheuer aus den Tiefen der Meere sein, welches einfach Fischerboote angreift und diese mitsamt der Besatzung in die Tiefe zieht. Das sich diese Legende verbreitete ist auch nicht weiter verwunderlich, da dies in etwa die Grundgeschichte hinter den Godzilla-Filmen darstellt und dies auch Ansatzweise in den Filmen behauptet wird. Dieser „Ur-Godzilla“, jenes bösartige Meereswesen „Gojira“, war demnach der Namensgeber für das durch radioaktive Verstrahlung entstandene Monster der Filmreihe. Doch was steckt tatsächlich hinter der Legende des Filmmonsters Godzilla? Um dies zu erörtern, werfen wir einen Blick auf die tatsächliche Entstehungsgeschichte von Godzilla.

Im Jahr 1954, knapp neun Jahre nach den Atombombenangriffen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, wurde Japan ein zweites Mal mit dem nuklearen Albtraum konfrontiert: Das japanische Fischerboot „Fukuryu Maru“ (Glücklicher Drache) kam damals während einer Fangfahrt vom Kurs ab und verirrte sich in die Nähe des Bikini-Atolls im Pazifik, wo gerade die berüchtigten Bravo-Atombombentests des amerikanischen Militärs stattfanden. Einige Tage später kehrten die Fischer in ihre Heimat Japan zurück und wiesen mysteriöse Krankheitssymptome auf. Einer der Fischer starb kurz nach der Einweisung in ein Krankenhaus auf qualvolle Art und Weise. Während die westlichen Medien diesen Vorfall fast gänzlich verschwiegen, sorgte der „Fukuryu Maru-Vorfall“ in Japan für eine regelrechte Massenhysterie. Die japanische Presse sprach vom „zweiten Atombombenangriff in der Geschichte der Menschheit“ und schürte somit den alten und tiefen Hass auf die Amerikaner wieder an. Schließlich verbot die japanische Regierung die Auslieferung aller in diesem Gebiet gefangenen Fische. Mit Recht befürchte das Gesundheitsministerium, dass alle Meerestiere aus diesem Testgebiet hochgradig radioaktiv verseucht sein könnten.

Der Filmproduzent Tomoyuki Tanaka erkannte als erster das gewaltige kommerzielle Potential dieser dramatischen Ereignisse. Er schlug den als äußerst flexibel geltenden TOHO-Studios vor eine gruselige Katastrophengeschichte zu entwickeln, welche auf diesem Vorfall basieren sollte. Tanaka schwebte eine Produktion vor, welche Elemente aus dem legendären Abenteuerfilm 20.000 Meilen unter dem Meer und dem Monster-Spektakel von Ray Harryhausen Panik in New York enthielt, welche im Jahr zuvor in Amerika die Kinokassen kräftigen klingeln ließen. Die TOHO-Bosse waren von der Idee begeistert und gaben grünes Licht für diese Produktion. Tanakas Titelvorschlag für den Film lautete The giant Monster from 20.000 Miles under the Sea, angelehnt an die beiden Produktionen, welche ihm als Vorlage vorschwebten. Für eine erste Fassung der Geschichte engagierte Tanaka den Science Fiction-Autoren Shigeru Kayama, welcher innerhalb weniger Tage eine Geschichte mit dem kurzen Titel „G“ („G“ für „Giant“ = der „Riese“) ablieferte. Der Anfangs geplante Regisseur Senkichi Taniguchi weigerte sich jedoch diesen Film zu drehen. Durch Zufall stellte sich zu dieser Zeit der Regie-Newcomer Inoshira Honda bei TOHO vor und war von dem Konzept begeistert. Er hatte große Pläne mit der „G“-Idee und somit schlug die Geburtsstunde des späteren Monsters.

Honda arbeitete sofort mit dem Autoren Takeo Murata an einer Drehbuchfassung der Geschichte um „G“. Nach einigen Tagen standen dann endlich inhaltliche Eckpfeiler für den Film fest, welche Honda schließlich auch in seinen einbaute. Ein gigantisches Monster wird durch radioaktive Bestrahlung erweckt und greift die Millionenstadt Tokio an. Der Name für das Monster wurde auch recht schnell gefunden, aber nicht, wie man später gerne aufführte, aus einer alten Legende der Fischer, sondern ganz willkürlich. Ein etwas dickerer Mitarbeiter der Marketing-Abteilung der TOHO-Studios wurde von seinen Mitarbeitern boshafterweise Gojira genannt, ein Wortspiel aus den japanischen Worten für „Gorilla“ und „Wal“. Honda gefiel diese Bezeichnung so gut, dass er sich entschloss sein Filmmonster ebenso zu benennen.

Die Dreharbeiten zogen sich sehr zum Ärger der TOHO-Bosse in die Länge, was natürlich mit erheblichen Kosten verbunden war. Um etwas Geld in die Kasse zu bekommen, produzierten diese nebenbei, ohne Hondas Einverständnis, eine Serie aus fünf Hörspielen für das Radio mit Gojira. Als Hondas Film endlich fertiggestellt war, hatte dieser durch die Hörspiele bereits eine sehr große Fangemeinde. Trotzdem war die Produktion für das Studio ein extremes Wagnis, denn immerhin spielte der Film ja auch direkt auf die Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki durch Kernwaffen an, was bis zu diesem Zeitpunkt in Japan ein absolutes Tabu-Thema war. Das Wagnis zahlte sich jedoch aus und Godzilla, wie man ihn im Ausland nannte, wurde zum zweiterfolgreichsten japanischen Film aller Zeiten, nur Kurosawas Meisterwerk Die sieben Samurai spielte ehemals mehr Geld ein.

Die Legende um Godzilla entstand im Laufe der Jahre, als immer mehr Nachfolger dieses Klassikers gedreht wurden. Somit ist Godzilla nichts weiter als ein modernes Fabelwesen. Jedoch sollte man erwähnen, dass es nicht auszuschließen ist, dass sich eines Tages wirklich durch radioaktive Mutationen gefährliche Wesen entwickeln können. Dies wären dann allerdings real existierende Erben von Godzilla – dem japanischen Ungetüm.

Autor: Michael Schneider

Verwendete Quellen:
Gernot Gricksch, Godzilla, 1998