Menschenfressende Schlangen

Anakonda
Eine Anakonda verspeist ein Wildschwein. Der gedehnte Kiefer ist hier sehr schön zu erkennen.

Präparat im Naturkundemuseum Senckenberg, Frankfurt am Main (Foto: Michael Schneider)

In der Abenteuergeschichte von den Abenteuern der „Schweizer Familie Robinson“ gibt es eine Gruselszene, in der eine große Boa constrictor den Esel der Familie anfällt und diesen verschlingt. Diese Szene aus der Geschichte hat seit ihrem erscheinen etlichen Generationen so manchem Kind einen kalten Schauer über den Rücken gejagt. Viele Leser finden solche Erzählungen zwar recht amüsant, halten aber ein solches Szenario für ein reines Märchen. Dabei sind die wahren Fakten und Tatsachenberichte über die großen Würgeschlangen, welche sogar große Tiere und selbst Menschen verschlingen, weitaus schauerlicher.

Wir wollen uns hier an dieser Stelle nicht mit Gigantenschlangen (Matora, Sucuriju gigante, usw.) beschäftigen, sondern nur einmal einige Fakten über normale Würgeschlangen, wie etwa der Boa constrictor, Python und Anakonda vorbringen und aufzeigen. Alleine in den letzten einhundert Jahren gab es mehrere Hundert belegte Fälle mit Todesfolge, in denen Würgeschlangen Menschen angriffen und töteten. Großtiere, wie Hirsche oder Kühe und Menschen gehören zwar nicht zum normalen Beuteschema der Würgeschlangen, welches aus Nagetieren, Fledermäusen und Flughunden, bis hin zu Wildschweinen, Rehen und kleinen Hirscharten besteht, werden aber trotzdem ab und an angegriffen und teilweise sogar verspeist.

So z.B. der Bericht von George Gardner, welcher Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts das Amazonasgebiet bereiste. Eines Tages entdeckte Gardner eine offenbar vom Hochwasser flussabwärts getragene tote Boa, welche sich an einem Baum verfangen hatte und eine mächtige Beule in ihrem Körper aufwies. Zusammen mit seinem Freund Senhor Lagoeira barg er die geschätzt etwa 10 Meter lange Schlange. Als die Beiden die Schlange schließlich öffneten, fanden diese zu ihrem erstaunen die Überreste eines Pferdes vor, von welchem noch etliche Knochen und der beinahe unversehrte Kopf erhalten waren. Anhand der Fellmusterung am Kopf erkannte Senhor Lagoeira das Pferd, welches einige Tage vorher von einer flussaufwärts gelegenen Weide spurlos verschwunden war. Doch offenbar war diese große Mahlzeit etwas zu groß für die Schlange, denn diese verstarb wohl aufgrund einer Verstopfung des Magens, ausgelöst durch den großen Pferdeschädel.

Würgeschlangen jagen auf verschiedenste Art und Weise. Pythons und Boas jagen meist von erhöhten Plätzen aus und schnappen sich in schneller Bewegung die unter den Bäumen vorbeilaufende Beute. Hierzu schnappen diese mit ihrem kräftigen Kiefer und den hakenförmigen Zähnen nach dem Körper der Beute und beißen sich daran fest. Da große Würgeschlangen keine Giftdrüsen besitzen, töten diese durch pure Kraft und einen physikalischen Trick. Diese wickeln sich mit ihrem Körper um den Hals und den Brustbereich der Beute und ziehen sich mit jedem Atemzug fester zusammen. Das Beutetier erhält nach jedem ausatmen weniger Platz in der Lunge und erstickt. Anschließend sucht die Schlange nach der möglichst dünnsten Körperstelle und stülpt ihr dehnbares Maul darüber. Mittels kräftiger Muskeln und einer Art Transportsystem, bestehend aus einer Anzahl von Zähnen, welche sich im Körper der Schlange befinden, wird anschließend die Beute Stück für Stück in den langgestreckten Verdauungstrakt der Schlange gezogen.

Felsenpythons haben zudem eine besondere Jagdmethode entwickelt, um sich Fledermäuse zu angeln. In Höhlen hängen sich diese an die Decke und in Spalten und schnappen einfach in die pure Masse der fliegenden Fledermäuse hinein.

Eine weitere Jagdmethode ist das Lauern im Wasser, das besonders von Anakondas, die bevorzugt im Wasser leben, verwendet wird. Hierbei legt sich die Schlange in der Nähe des Ufers auf den Grund des Gewässers und wartet, bis sich ein unvorsichtiges Tier nähert um zu trinken. Auch hier schnappt die Schlange blitzschnell mit ihrem Kiefer zu und beißt sich fest. Die Beute wird dann durch die kräftige Schlange ins Wasser gezogen und umwickelt. Bei dieser Jagdmethode kommt zum Erstickungstod das Ertrinken der Beute hinzu.

Da die Schlangen ihre Beute im Ganzen verschlingen müssen, wird wie bereits erwähnt bevorzugt die schmalste Körperstelle als Ansatzpunkt zum Fressen angepeilt. Dies ist bei Wildschweinen und kleinen Hirschen der Kopf, welcher nach vorne hin spitz zuläuft und in einen wuchtigen Körper übergeht. Bei einem getöteten Menschen hingegen beginnt die Schlange meist mit den Füßen, da diese am Körper die engste Stelle sind und man damit die Beute am einfachsten verschlingen kann. Hier wird die Schlange aber nur in den seltensten Fälle beide Füße direkt als Ansatzpunkt verwenden, sondern mit einem einzigen Fuß beginnen. Das zweite Bein knickt in aller Regel beim kräftigen Hineinziehen in den Körper der Schlange nach hinten weg.

Im Jahre 1927 fiel der Juwelier Maung Chit Chine in Burma einer Python zum Opfer. Während einer Jagdpartie im Gebiet von Thaton wurde die Jagdgesellschaft von einem heftigen Gewitter überrascht. Der Juwelier suchte abseits der anderen Teilnehmer Schutz unter einem großen Baum. Nachdem das Gewitter vorübergezogen war, kam die Jagdgesellschaft wieder zusammen, nur der Juwelier blieb verschwunden. Auf der Suche nach ihm entdeckten seine Freunde seinen Hut und einen Schuh, ganz in der Nähe befand sich ein etwa sechs Meter langer und scheinbar vollgefressener Python. Als sie die Schlange töteten und aufschlitzten, fanden diese die Leiche von Chine, welcher offensichtlich mit den Füßen voran verschlungen worden war.

Ebenfalls in Burma wurde im Jahre 1972 ein Achtjähriger ein Opfer für einen Python. Die etwa sechs Meter lange Schlange überraschte den Jungen beim Spielen, packte zu und erdrosselte das Kind. Als man die Schlange schließlich fand, tötete und öffnete, entdeckte man die Leiche des Kindes.

In Südafrika wurde im Jahre 1979 der vierzehnjährige Hirtenjunge Johannes Mokau, der auf einer Farm nördlich von Johannesburg seine Schafe hütete, von einem Python angegriffen und umwickelt. Als Landarbeiter kurz darauf das Geschehen mitbekamen, eilten diese zum Tatort und gingen mit Äxten und Mistgabeln auf die Schlange los. Doch das Eingreifen kam bereits zu spät. Der Junge war bereits erstickt und mehr als die Hälfte von ihm befand sich bereits im Körper der Schlange. Diese Python war gerade einmal 4,50 Meter lang, also ein Zwerg gegen voll ausgewachsene Exemplare oder gar die großen Boas und Anakondas aus Süd- und Mittelamerika.

Im Grenzgebiet zwischen Ecuador und Kolumbien kam es Anfang Mai des Jahres 2000 zu einem verzweifelten Kampf zwischen einem ausgewachsenen Mann und einem etwa fünf Meter langen Boa constrictor. Vermutlich befand sich die Schlange auf einem Baum, als der unbekannte Mann wohl von der Riesenschlange angefallen wurde. Das Tier wickelte sich um seinen Brustkorb und brach ihm dabei etliche Rippen. Kurze Zeit später fand man die Schlange, die einen dicken Knoten in ihrem Körper aufwies. Jäger fingen und töteten das Tier und wollten herausfinden was diese Schlange gefressen hatte. Als man die Schlange schließlich öffnete, machte man eine grausige Entdeckung. Man fand die Leiche des unbekannten Mannes.

Im August 2001 wurde ein achtjähriges Mädchen in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) von einem Python angegriffen. Die drei Meter lange Schlange wickelte sich um den Hals des kleinen Mädchens und würgte es, berichtete die Zeitung „Pittsburgh Post-Gazette“. Die Mutter hatte nach Angaben der Polizei gerade noch entdeckt, dass sich die Würgeschlange um den Hals ihre Tochter gewickelt hatte. Es war ihr noch gelungen den Python wegzuzerren, doch zu diesem Zeitpunkt hätte die kleine Amber Mountain schon nicht mehr geatmet. Der Vater des Mädchens sei ein begeisterter Schlangensammler, berichtete die Zeitung. Er habe fünf große Würgeschlangen und zahlreiche Echsen im Haus der Familie gehalten. Wie die 18 Kilogramm schwere Schlange aus ihrem Terrarium im Schlafzimmer des Ehepaares entkommen konnte war zunächst unklar. Dieser Vorfall ist einer jener Fälle, welcher aufzeigt, dass selbst als harmlos geltende Würgeschlangen als Haustiere nicht zu unterschätzen sind. Vermutlich hatte die Schlange Hunger und war auf der Suche nach Nahrung, als ihr das Mädchen entgegenkam.

Ein Python-Besitzer ist im Februar 2002 im US-Bundesstaat Colorado Opfer seines exotischen Haustiers geworden. Der rund drei Meter lange und 40 Kilogramm schwere Burmesische Netzpython erwürgte den Mann. Die Schlange sei plötzlich aggressiv geworden und habe sich um den Hals des Mannes gelegt. Die von einem Mitbewohner gerufenen Rettungskräfte hätten den Mann nicht retten können. Neun Männer waren nötig, um die Schlange von dem Toten zu trennen.

Dies sind nur einige Beispiele und die Liste solcher Fälle ließe sich in großem Umfang mit Hunderten ähnlicher Fälle erweitern. In der Regel sind diese Tiere sehr ruhig und träge und fallen nicht grundlos über Tiere oder Menschen her, erst wenn diese Tiere Hunger verspüren, werden diese gefährlich und fallen über eine potentielle Beute her. Hierbei kann es vorkommen, dass ein unvorsichtiger Mensch zum Opfer dieser Tiere wird.

Nach einer Mahlzeit dieser Art benötigt eine Würgeschlange wochenlang keine Nahrung mehr. Wie bereits erwähnt, sollte man selbst eine im Haus gehaltene Würgeschlange nicht als harmlos bezeichnen, denn diese sind von ihren Instinkten her immer noch wilde Tiere. Hier sollte man jedoch darauf hinweisen, das solche Unfälle mit großen Würgeschlangen wirklich sehr selten sind. Die Wahrscheinlichkeit in freier Wildbahn von einer Würgeschlange angegriffen und getötet zu werden ist sehr gering. So ist die Wahrscheinlichkeit von einem Haushund getötet zu werden ungleich höher zu bewerten. Solche tragischen Zwischenfälle kommen leider immer wieder einmal vor, sind aber eine sehr seltene Ausnahme. Der Mensch gehört nun einmal nicht ins Beuteschema von Schlangen und nur wirklich große, ausgehungerte Würgeschlangen werden für einen Menschen gefährlich, sofern sich keine andere Nahrungsmöglichkeit anbietet. Das Risiko ist bei Schlangenhaltern hingegen erheblich größer, jedoch kommen auch hier nur solche Unfälle vor, wie oben beschrieben, wenn man die Schlange falsch behandelt, etwa Anzeichen von Hunger lange Zeit ignoriert und sich anschließend unvorsichtig der Schlange nähert und diese sogar in dieser Verfassung um den Hals hängt. Leider gibt es immer wieder solch leichtsinnige Schlangenhalter, weshalb es ab und an zu tödlichen Unfällen kommt. Diese Unfälle sind jedoch kein Grund vor diesen wunderschönen Wesen Angst zu haben.

Autor: Michael Schneider

Yeti – Spurensuche im Himalaya

Yeti-Spur
Dieser Fußabdruck, welcher von einem Yeti stammen soll, wurde während einer Himalaya-Expedition im Jahre 1951 am Fuße des Berges Menlung entdeckt.
Mit diesem kurzen Artikel möchte ich ein wenig auf einen der bekanntesten Kryptiden überhaupt eingehen, den Yeti. Das Wort Yeti leitet sich aus der Sprache der Himalayabewohner ab, wo dieses Wesen „yeh-teh“ genannt wird, was soviel wie „Mann in den Felsen“ aber auch einfach „dieses Ding“ bedeutet. Seit der ersten Erwähnung des Yeti durch europäische Söldner im 15. Jahrhundert wurden viele Geschichten über den Yeti auf der ganzen Welt verbreitet. Diesen Geschichten verdankt er auch den Titel vom „Scheußlichen Schneemenschen“ und fast jedes Kind kennt heute den Yeti in irgendeiner Form.

Leider wird der beeindruckende Yeti auch sehr stark angezweifelt. Ein Problem besteht darin, dass sich aus den Berichten kein einheitliches Bild ableiten lässt. Es gibt Beschreibungen des Yeti, nach denen es sich um einen kleinen behaarten Menschen oder um einen schweren Koloss von fünf Metern oder mehr handelt. Wahrscheinlich kommen verschiedene Arten vor, wenn man den Beschreibungen folgt.

In seinem Werk „On the Track of Unknown Animals“ schreibt Bernard Heuvelmans, dass es nach den Beschreibungen zwei verschiedene Arten geben muss. Einmal den Rimi, der eine Größe von drei Metern erreichen kann und in etwa 3000 bis 4000 Meter Höhe lebt. Zum anderen den Nyalmo, vier bis fünf Meter hoch, der im ewigen Schnee in über 4000 Meter Höhe sein Dasein bestreiten soll. Er ist nach Erzählungen ein Fleisch- und eventuell sogar ein Menschenfresser. Heuvelmans Beschreibung des Nyalmo ist sicher das Abbild der westlichen Vorstellung: „Ein großes Wesen, halb Mensch, halb Bestie; er lebt in den Höhlen, die hoch und unzugänglich in den Bergen liegen. Die Gesichtshaut ist weiß, sein Körper von einem dicken Haarpelz besetzt. Die Arme reichen wie bei einem Menschenaffen bis an die Knie; sein Gesicht ist ziemlich menschenähnlich. Seine dicken Beine sind gebeugt. Die Zehen sind nach innen gerichtet – manche sagen sogar, sie sind nach hinten gerichtet. Er ist sehr muskulös, kann Bäume entwurzeln und Felsbrocken von beachtlicher Größe aufheben.“

Yeti-Spur
Im Februar 1980 machten polnische Bergsteiger in 4800 Metern Höhe diese Aufnahme einer Yeti-Spur am Mount Everest. Die Spur war 36 cm lang und 17 cm breit.
Leider erscheint es recht schwierig, handfeste Beweise für die Existenz des Yeti vorzulegen. Colonel C. K. Howard-Bury, Leiter der ersten Everest-Expedition im Jahre 1921, gab der Legende als erster Auftrieb. Ihm wurden in 7000 Meter Höhe menschenähnliche Fußspuren gezeigt. Er glaubte aber, dass sie von einem streunenden Wolf stammten. Im Jahre 1925 sah ein Wissenschaftler und Fotograf in 5000 Meter Höhe eine Gestalt, „genau wie ein Mensch, die aufrecht ging und manchmal stehenblieb, um Rhododendronsträucher auszureißen oder daran zu ziehen“. Nach seiner Beschreibung der Fußabdrücke geht man davon aus, dass es sich um einen Bären gehandelt hat. Die vom Londoner „Daily Mail“ in den Jahren 1954 und 1957 ausgerichteten Expeditionen fotografierten viele Fußabdrücke, die jedoch nicht erklärt werden konnten.

Die verschiedenen Berichte über Beobachtungen durch Europäer oder Sherpas werden gleichermaßen angezweifelt. Die Zeitung „The Times“ vom 2. November 1921 schreibt von einem Schneemenschen, den der Engländer William Knight gesehen hat. „Er war trotz der großen Kälte völlig nackt … er hatte über und über eine fahlgelbe Farbe … zottiges, glanzloses Haar auf dem Kopf.“ Dies war offensichtlich einer jener asketischen Hindu-Einsiedler, genannt Sadhu, die in Höhen bis zu 5000 Meter leben.

Auch die Existenz des Languraffen in diesem Gebiet dürfte wohl viele dieser Berichte erklären. Sie sind groß, wurden schon in Höhen über 4000 Meter gesehen, können auf zwei Beinen stehen und kurzzeitig auch hüpfen. In dem Bericht der Wood / Kirkland / Maggs-Expedition aus dem Jahre 1944 über den „scheußlichen Schneemenschen“ an die Zeitschrift „Country Life“ findet man die genaue Beschreibung eines Languraffen. Nur die Größe stimmte nicht überein, da er ihrer Auffassung nach mannshoch war.

1970 fotografierte in Nepal der bekannte Bergsteiger Don Whillans eine Reihe von geheimnisvollen Fußabdrücken in 4000 Meter Höhe. Er entdeckte bei Mondlicht eine „affenartige Kreatur“, die auf allen Vieren auf dem Gipfel eines Hügels herumsprang. Obgleich Affen nicht hüpfen, tun dies doch Languren. Wahrscheinlich hatte Whillans einen solchen beobachtet.

Berichte der Sherpas werden zudem von den westlichen Medien als unseriös dargestellt. Die Berichte der Sherpas sind aus vielen Gründen unzuverlässig, wie es oftmals propagiert wird. Der frühere Leiter der Primatenabteilung des Smithsonian-Instituts, Professor John Napier, hat in der Zeitschrift »Bigfoot« beschrieben, warum ihre Berichte anzuzweifeln sind. „Die Sherpas können nicht unterscheiden zwischen der ‚Realität’ der wirklichen Welt und der ‚Realität’ ihres mythologischen religiösen Glaubens.“

Mehrmals haben sie Fußabdrücke dem Yeti zugeschrieben, die nach wissenschaftlicher Feststellung einwandfrei Abdrücke normaler Tiere waren. Napier erläuterte auch den landläufigen Irrtum, dass die Einheimischen unbedingte Kenner der heimischen Tierwelt sein müssen. Sherpas, für die das Töten von Tieren tabu ist, „jagen niemals Leoparden, Bären, Ziegen oder Antilopen … Die weitverbreitete Annahme, dass Sherpas einen Bär oder einen Affen nicht von einem Yeti unterscheiden können, mag durchaus richtig sein“.

Gigantopithecus
Gigantopithecus
(Darstellung von Zdenek Burian)
Ihre Verwirrung über das, was sie wirklich gesehen haben und was sie annehmen, die Besucher möchten es gerne finden, spiegelt sich auch in den Yeti-Souvenirs. Die von ihnen gezeigten Pelz- oder Hautstücke wurden in wissenschaftlichen Untersuchungen als Teile von heimischen Tieren, wie Bären oder Bergziegen, identifiziert. Tatsächlich ist es merkwürdig, dass man trotz anhaltender Suche während der letzten 70 Jahre nur einen handfesten Beweis gefunden hat. Es sind Fußabdrücke, die am Mount Everest in 6500 Meter Höhe von Eric Shipton und Michael Ward fotografiert wurden, und zwar am 8. November 1951 in Begleitung des Sherpas Sen Tensing. Nach intensivem Studium folgerte Napier, „dass der Fußabdruck nicht von einem Menschen, aber auch nicht von einem Affen oder einem der Wissenschaft bekannten affenähnlichen Tier stammt. Welche anderen Möglichkeiten gibt es? Kein anderes Lebewesen auf der ganzen Welt könnte so eine Spur hinterlassen … wenn sie nicht existierte, würde ich nicht zögern, den Yeti als Phantasiegebilde abzutun. Aber so wie es aussieht, muss der Fall ungelöst bleiben“.

Extrembergsteiger Reinhold Messner folgerte aus seinen eigenen Erfahrungen mit dem Yeti, dass es sich beim Yeti um den legendären und seltenen Blau- oder Tibetbären (Ursos arctos pruinosus) handeln könne.

Andere Thesen gehen davon aus, dass es sich beim Yeti um überlebende Nachfahren des Gigantopithecus handeln könne, welcher vermutlich mit dem Orang Utan verwandt war. Der Gigantopithecus lebte vor etwa 1.000.000 Jahren bis vor etwa 250.000 Jahren in Vietnam und China, wie Zahn- und Kieferfunde belegen. Die seit Jahrtausenden unveränderten Klimabedingungen im Himalaya hingegen könnten für eine hypothetisch dort vorhandene Reliktpopulation dieser Tiere sprechen.

Letztendlich muss festgehalten werden, dass es neben den Legenden und einigen Hinweisen keinen wirklichen Beweis für die Existenz des Yeti gibt, doch gänzlich auszuschließen ist die Existenz des Yeti nicht, solange es immer wieder Sichtungen und Spurenfunde gibt.

Kryptozoologie.net

Autor: Michael Schneider

Das Geheimnis der grünen Kinder

Während meiner Studien über menschliche Anomalien bin ich mehrfach über Geschichten von Kindern gestolpert, welche quasi aus dem Nichts auftauchen. Soweit nichts ungewöhnliches, wenn da nicht bei vielen Geschichten eine seltsame grüne Färbung der Haut oder der Haare beschrieben wird.

Besonders in Asien gibt es viele Berichte und Geschichten von verwilderten Kindern, welche mit grünen Haaren gefunden wurden, bzw. diese irgendwann in der Nähe von Dörfern auftauchten. Dabei interessierte mich vor allem der Aspekt der grünen Haare, da mir dieses Phänomen von Tieren bereits bekannt war.

Im Herbst 1995 wurde auf einem Heuboden in Dybvad im Nordwesten von Dänemark ein zwei Monate altes Kätzchen gefunden. Als man es näher betrachtete war man sehr überrascht – das Fell und die Krallen des Tieres waren leuchtend grün. Alle Versuche diese seltsame Färbung abzuwaschen schlugen fehl. Tierärzte, die das Kätzchen untersuchten, und Forscher der Universitätsklinik von Kopenhagen, die Proben des Fells prüften, meinten, dass das Tier bereits grün geboren wurde, da die Kupferschicht von der Haarwurzel bis zur Spitze reichte. Die Färbung des Tieres entstand, da das Kätzchen oder seine Mutter, während sie trächtig war, mit kupferkontaminiertem Wasser in Berührung gekommen ist.

Einige Jahre zuvor entdeckte man in einer südschwedischen Stadt, das korrodierende Kupferrohre dafür verantwortlich waren, dass die Haare mehrerer blonder Frauen grün wurden!

Betrachtet man nun die Erzählungen über grüne Kinder, lassen sich diese Fälle recht einfach erklären, ohne das man auf Naturgeister oder Außerirdische als Erklärung zurückgreifen muss.

Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Ortsschild von Woolpit mit den grünen Kindern
Der wohl bekannteste Fall von grünen Kindern jedoch stammt aus dem Mittelalter und fand in England statt. Die erstaunliche Geschichte der grünen Kinder von Woolpit wurde erstmals von zwei englischen Chronisten des Mittelalters aufgezeichnet – von Ralph, dem Abt von Cogges-hall und William von Newburgh. Eines Tages, zur Zeit König Stephens (1135 –1154 n. Chr.), wurden zwei verlassene, verzweifelt weinende Kinder in den großen Fallen gefunden, die man im Ort Woolpit, in Suffolk, angelegt hatte, um Wölfe zu fangen. Die Aufregung, die sie verursachten, lag an ihrem Aussehen – ihre Kleider, Augen und vor allem ihre Haut waren grün! Sie wurden beim dort ansässigen Grundbesitzer Richard de Calne untergebracht und weigerten sich noch eine geraume Zeit etwas anderes als grüne Bohnen zu essen. Das jüngere der beiden Kinder, ein Junge, starb ein Jahr später, doch das andere Kind, ein Mädchen, wuchs auf und verbrachte sein restliches Leben in diesem Gebiet.

Langsam verschwand der Grünstich ihrer Haut, und als sie erwachsen war, heiratete sie einen Mann aus King’s Lynn in Norfolk. Sie lernte auch Englisch und konnte schließlich den Menschen erzählen, dass sie und der Junge aus einem Staat namens Martinsland gekommen waren, in dem es keine Sonne gab und ständig Dämmerung herrschte. Sie waren ihrem Stamm gefolgt, als sie einen unterirdischen Tunnel betraten und auf der anderen Seite im hellen Sonnenlicht von Woolpit wieder herauskamen.

Es gab viele Versuche diese seltsame Geschichte zu erklären. Einige Forscher haben sie einfach als nettes Märchen abgetan, da die Kinder grüne Haut (die Farbe der Elfen) hatten und nur grüne Bohnen aßen (laut der keltischen Mythologie die Speise der Toten). Andere suchten eine Verbindung zu Englands traditionellem Grünen Mann oder Jack-in-the-Green – einem blätterbedeckten, übernatürlichen Wesen, das Fruchtbarkeit und den Frühlingsbeginn symbolisiert. Es wurde auch vermutet, dass die Kinder aus einer mysteriösen Welt stammten, die unter der Erdoberfläche besteht und in der es keine Sonne gibt, oder aus einer parallelen Dimension, aus der sie zufällig in unsere kamen.

In unserer Zeit kam noch eine bedeutend nüchternere Erklärung hinzu. In den 1980er Jahren besuchte der Forscher Paul Harris Woolpit und erfuhr, dass die Bewohner annehmen, die Geschichte gehe auf eine Legende von einem Grafen zurück, der im Mittelalter in Norfolk herrschte und der Vormund von zwei kleinen Kindern war. Er versuchte ohne Erfolg die Kinder mit Arsen zu vergiften und setzte sie schließlich im Wayland Wood im Gebiet des Thetford Forest an der Grenze zwischen Norfolk und Suffolk aus. Hier würden sie sicher sterben, und er könnte das Anwesen übernehmen, das sie bei Erreichen der Volljährigkeit erhalten sollten. Laut den Bewohnern von Woolpit wurden daraus wahrscheinlich die grünen Kinder, die man später krank und verwirrt, jedoch lebend fand. Das Erstaunliche bei dieser Erklärung ist, dass die Haut durch Arsenvergiftung grün werden kann. Das selbe Phänomen kann auch bei Blutarmut auftreten, die durch Unterernährung entsteht, woran die Kinder wahrscheinlich litten. Dies würde auch erklären, warum die Haut des Mädchens normale Färbung annahm, sobald sie ordentlich ernährt wurde.

Harris glaubt, dass es auch für den Rest der Geschichte eine vernünftige Erklärung gibt. Es gibt einige Kilometer nordwestlich von Woolpit einen Ort namens Fornham St. Martin, was die Herkunft von „Martinsland“ erklären könnte. Im weiter nördlich gelegenen Thetford Forest, der extrem dunkel ist, befinden sich auch viele neolithische Feuersteinminen mit Gängen. Vielleicht gingen die beiden Kinder durch eine, die nach Woolpit führte.

Weitergehend reisten die Menschen im 12. Jahrhundert nicht weit, so dass ihnen der Dialekt der Kinder, die aus einem anderen Ort kamen, wirklich seltsam vorgekommen sein mag.

Die Geschichte der grünen Kinder von Woolpit nimmt noch eine letzte, überraschende Wendung. Aus Spanien gibt es eine beinahe identische Erzählung, die im August 1887 im katalanischen Ort Banjos spielt. Tatsächlich ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Geschichten, abgesehen vom Ort und der Zeit, die Tatsache, dass in der spanischen Version auch das Mädchen nach ungefähr fünf Jahren stirbt. Auch über ihre Vorliebe für Bohnen wird erzählt, und zu allem Überfluss heißt der Adelige, der sie nach ihrer Entdeckung bei sich aufnimmt, Senior Ricardo da Calno – Sir Richard de Calne nicht gerade unähnlich!

Diese Geschichte wurde ohne Zweifel in einigen Büchern aufgenommen; in The Monster Trap and Other True Mysteries wiederholt Peter Haining die Behauptung von John Macklin, dass die Dokumente und Aussagen der Menschen, die die grünen Kinder sahen und für sie sorgten, noch existieren. 1986 enthüllte Frank Preston jedoch, dass er ans British Council in Barcelona geschrieben hatte, um Informationen über die Geschichte zu erhalten, doch konnte das Institut keinerlei Hinweise finden, obwohl es für ihn intensive Nachforschungen anstellte und sogar spanische Bibliotheken, Museen und Rathausarchive kontaktierte. Auch in den Zeitungen vom August 1887 gab es keine Spur der Geschichte. Das überrascht nicht, denn der Ort Banjos existiert nicht. Er wurde genauso erfunden wie die Geschichte der grünen Kinder. Der Verfasser ließ sich zweifellos von der Geschichte von Woolpit inspirieren und wollte eine modernere Version schaffen.

 

 

Autor: Sabine Ammer

Quelle: Karl P.N. Shuker, Weltatlas der rätselhaften Phänomene

EMO – Das Geheimnis des Monsters vom Edersee

Große Fische
Bewegungen von großen Fischen an der Oberfläche von Gewässern können je nach Blickwinkel für ein Seeungeheuer gehalten werden.
Der Edersee in Nordhessen (Waldeck) ist der Stausee der Edertalsperre, welche den Fluss Eder aufstaut. Im Stausee werden seit Jahren seltsame Sichtungen vernommen, so dass sich in der Region der Name Ederseemonster und auch dessen Kurzform EMO verbreitet hat.

Die erste bekannte Sichtung im Edersee selbst erfolgte 1979 durch eine Gruppe Hobbytaucher am Ufer des Sees, nahe des untergegangenen Dorfes Berich. Die Männer bemerkten, wie ein schlangenartiges Wesen sie aus dem Wasser heraus zu beobachten schien. Als die Taucher es schwimmend verfolgen wollten, verschwand es im tiefen Wasser. Während des Tauchganges wurde es nicht wieder gesehen. Seit diesem Zeitpunkt gab es immer wieder Sichtungen von seltsamen Wesen im See, wobei besonders in warmen Sommern, wenn der See weniger Wasser führt, vermehrt Meldungen auftauchen.

So kam es im Jahrhundertsommer des Jahres 2003 zu einer wahren Sichtungswelle, als der See kaum noch Wasser führte und selbst einige der im See untergegangenen Gebäude wieder trocken lagen. In diesem Sommer sahen eine große Menge an unabhängigen Zeugen das mutmaßliche Monster des Sees.

Ende August 2005 wurde das Wesen von einer Gruppe Jugendlicher am Strandbad Rehbach gesehen.

Im Jahr 2008, als der Edersee wieder nur Niedrigwasser führte, wurden wir mehrfach aufgrund von seltsamen Sichtungen gerufen. Auch 2009 und 2010 setzte sich diese Sichtungswelle fort, vor allem in den Bereichen Nahe des alten Dorfes Berich und in der Nähe der Staumauer, wo eine Menge Touristen tagtäglich unterwegs sind.

Jetzt schreiben wir 2013 und wieder sinken die Pegelstände im Edersee während er heißen Sommerwochen. Erste Meldungen über ungewöhnliche Sichtungen im Stausee haben mich bereits per eMail erreicht.

Die Beschreibungen des Auftauchens ähneln sich in fast allen bekannten Fällen und sind in folgendem Schema zusammenzufassen: Das Wesen wird als schlangenartig beschrieben, mit einer gemeldeten Länge zwischen einem und etwa 3 Metern. Die Zeugen berichten von einer grau-braunen Färbung. Meist wird die Schwimmweise als schlängelnd beschrieben. Interessanterweise entspricht diese Beschreibung der Bewegung ziemlich genau dem üblichen Muster von anderen Seeungeheuern, weshalb man hier vorab davon ausgehen muss, dass die Zeugen bereits vorab durch andere Geschichten beeinflusst waren und in diesem Fall die Erinnerung der nicht erklärbaren Sichtung unbewusst mit diesen Geschichten zusammengemischt wurde. Ein alltäglicher Vorgang, den man nicht nur im kryptozoologischen Zusammenhang sehen kann.

Die ältesten Berichte, welche noch aus der Zeit vor dem Bau der Staumauer in den Jahren von 1908 bis 1914 stammen, kommen von Fischern aus Dörfern an der Eder, welche beim Lachsfangen von einem sehr großen Lachs berichteten, der bis auf eine ähnliche Körperform keine Ähnlichkeit mit selbigem aufwies und auch nie gefangen werden konnte.

Bei eigenen Untersuchungen am Edersee, wobei ich in den Jahren von 2005 bis 2012 mehrfach den See nach Kontaktaufnahme durch Augenzeugen besucht habe und diesen Geschichten vor Ort nachgegangen bin, kommt man allerdings recht schnell dahinter, dass es sich vornehmlich um Begegnungen mit großen Fischen und optischen Täuschungen handelt. Der Edersee selbst ist sehr fischreich, mit einigen wirklich großen Hechten, großen Welsen und Aalen. Auch große Karpfen direkt an der Wasseroberfläche bieten einen beeindruckenden Anblick. Bei entsprechendem Blickwinkel, Wellengang oder Sonnenstand sind solche großen Fische, die sich an der Oberfläche bewegen, durchaus für wesentlich größere Tiere zu halten. Besonders an heißen Tagen kann es vorkommen, dass sich Karpfen direkt in Ufernähe knapp unter der Oberfläche aufhalten und sogar hin und wieder das Maul aus dem Wasser strecken. Und auch große Welse von einem Meter Länge und mehr, die sich einem Badenden oder einem Boot nähern, können durchaus das Hirn eines Beobachters täuschen, wenn dieser die Bewegung eines solch großen Fisches im Wasser und in seiner Nähe wahrnimmt.

Der Edersee selbst ist mit 11,8 km² Wasseroberfläche und mit 199,3 Mio. m³ Stauraum der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee in Deutschland und liegt am Fulda-Zufluss Eder hinter der 48 m hohen Edertalsperre bei der Kernstadt von Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen). Die reguläre Wassertiefe beträgt im Schnitt etwa 42 m bei normalem Pegelstand, bei Niedrigwasser entsprechend weniger.

Interessant an der Geschichte des Ederseemonsters ist, dass es vor 1979 keine einzige bekannte Erwähnung einer ungewöhnlichen Sichtung im See selbst zu geben scheint. Dafür gibt es eine Reihe von Geschichten über Geistererscheinungen am See und im Umland, vor allem im Bereich der gefluteten Dörfer. Erst nach 1979 kamen immer wieder Meldungen über ungewöhnliche Tiere im See, wobei ich selbst einige Geschichten dokumentieren konnte. Nach dem Sommer 2003 schien sich allerdings die Geschichte des EMO (Ederseemonster) zu verbreiten, wobei das Internet sicher eine gewisse Rolle spielte. Seit 2003 erhalte ich immer wieder diverse Geschichten und Berichte über ungewöhnliche Begegnungen im Edersee.

Während meiner eigenen Ermittlungen vor Ort konnte ich allerdings nur verschiedenste Fische und Wasserbewegungen nach Zeugenbeschreibung identifizieren. Das Geheimnis des Monsters vom Edersee ist ein typischer moderner Mythos, der sich durch die multimediale Vernetzung verbreitet. Die typischen Zeugen sind gewöhnliche Menschen, die etwas für sie nicht sofort erkennbares im Wasser gesehen haben, die allerdings bereits diverse Seeungeheuergeschichten kennen und somit ganz unbewusst in der menschlichen Psyche diese Details vermischen.

Autor: Michael Schneider

Akromegalie

Es gibt eine ganze Reihe von ungewöhnlichen Erkrankungen, die auch aus kryptozoologischer Sicht eine gewisse Bedeutung besitzen. Eine dieser Krankheiten ist die Akromegalie.

Akromegalie (auch Acromegalie), welche im deutschen Sprachgebrauch als Gigantismus bezeichnet wird, ist eine schwerwiegende Erkrankung der Hypophyse. Hierbei handelt es sich um Hypophysentumore, die im Überschuss Wachstumshormone produzieren. Die offensichtlichen Folgen sind Vergrößerung von Händen, Füßen und Gesicht, sowie exzessives Schwitzen. Eine ausgeprägte Vergrößerung der Körperendglieder oder vorspringenden Teile des Körpers (Akren) sind die Folge. Hierzu zählen Hände, Füße, Kinn und Unterkiefer, Ohren, Nase und Augenbrauenwülste sowie die Geschlechtsteile. Die Akromegalie ist eine endokrinologische Erkrankung, die durch eine Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH) hervorgerufen wird. In 95% der Fälle liegt der Akromegalie ein gutartiger Tumor des Vorderlappens der Hirnanhangsdrüse zugrunde, welcher permanent Wachstumshormone produziert, selten ein bösartiger Tumor.

Betroffene zeigen im fortgeschrittenen Stadium ein Aussehen, welches an einen Vormenschen erinnert. Vor allem im Zusammenhang mit der Geschichte des Azzo Bassou, welchen man für einen bis in die jüngste Vergangenheit überlebenden Neandertaler hielt, ist diese Krankheit bemerkenswert.

Mehr zum Fall des Azzo Bassou finden Sie auch hier: Der Fährtenleser 8, Seite 12 ff.

Ein Thunderbird-Angriff

Lawndale, Illinois, USA 1977

Der Thunderbird (deutsch: Donnervogel) stammt aus der nordamerikanischen indigenen Mythologie, die dieses Fabelwesen als einen gewaltigen und mächtigen Vogel sieht. Er ist eines der wenigen Elemente der indianischen Mythologie, die bei praktisch allen indigenen Völkern Nordamerikas zu finden ist.

In der Sprache der Lakota heißt dieses Wesen „Wakinyan“, was so viel wie „Heilige Schwingen“ bedeutet. Die Spannweite seiner Flügel soll die doppelte Länge eines Kanus betragen. Mit dem Schlag seiner Flügel löst er Stürme aus und ballt die Wolken zusammen. Der Donner ist das Geräusch seines Flügelschlages und Blitze sind leuchtende Schlangen, die er mit sich trägt. In den Masken der Ureinwohner wird er vielfarbig dargestellt, mit zwei gedrehten Hörnern auf dem Kopf und manchmal mit einem zahnbewehrten Schnabel. Je nach Darstellung ist der Donnervogel ein Einzelwesen oder eine ganze Gattung an gewaltigen Vögeln. Immer aber ist er intelligent, mächtig und zorngeladen. Alle Darstellungen stimmen darin überein, dass man ihn tunlichst nicht verärgern sollte. In den Mythen der Ureinwohner an der amerikanischen Pazifikküste lebt der Donnervogel auf dem Gipfel eines Berges und ist ein Götterbote und Diener des großen Geistes.

Doch nicht nur in den Mythen und Legenden der Ureinwohner gibt es diese Geschichten über gewaltige Vögel. Seit Beginn der Besiedlung Nordamerikas wird immer wieder über Begegnungen und Sichtungen berichtet. Einer der interessantesten Berichte über einen Angriff eines solch gewaltigen Vogels stammt aus Illinois im Nordosten der Vereinigten Staaten aus dem Jahre 1977.

Es begab sich am 25. Juli des Jahres 1977, etwas gegen 17:45 Uhr. Der Abend schien wie ein normaler Abend im mittleren Amerika zu beginnen. Ruth Lowe bereitete an diesem Abend das Abendessen vor, da auch noch ein paar Freunde zum Grillen hinzukommen sollten. Jake Lowe, ihr Ehemann, hatte gerade Feierabend und schloss die Tankstelle in Lincoln, Illinois, um noch vor dem Nachhauseweg eine Besorgung beim Metzger für den Grillabend zu tätigen. Ihr Sohn Marlon war zu diesem Zeitpunkt an der Straße und spielte mit seinen Vettern. Er sollte gegen 19:00 Uhr zum Abendessen wieder Zuhause sein.

Marlon und Ruth Lowe
Marlon und Ruth Lowe

Auf der anderen Seite der Stadt, in seiner Maschinenhalle, war Herr Cox damit beschäftigt seine Landmaschinen zu reparieren und führte Schweißarbeiten aus. Ab und zu verließ er die Halle, um sich von der Hitze der Schweißerei abzukühlen und die frische Brise des Abendwindes zu genießen.

Gegen 18:20 Uhr: Jake Lowe traf Zuhause ein, kurz darauf gefolgt von den Gästen für diesen Abend, Jim und Betty Daniels. Die beiden waren lange Zeit Nachbarn von Familie Lowe, bis diese die Stadt verlassen mussten. An diesem Abend wollte man sich wieder einmal nett treffen und unterhalten.

Jim Daniels und Jake Lowe brachten den Grill in Gang, während Betty im Haus verschwand, um Ruth in der Küche zu helfen. Ruth rief daraufhin zu Jake und bat diesen Musik anzuschalten und den Klapptisch für die Kinder aufzustellen.

Etwa 19:05 Uhr: Jackie Lowe, Jakes Schwester kam hinzu und ihr folgte Marlon mit ihren eigenen Söhnen. Marlon und die anderen Jungen rannten ins Haus und fingen im Kinderzimmer an zu ringen. Ruth Lowe war von diesem Lärm alle andere als begeistert und schrie zu ihrem Jungen, er solle mit den anderen Kindern nach draußen spielen gehen, da das Essen noch lange nicht fertig sei. Marlon folgte diesem Aufruf und die ganze Bande verließ unter lautem gepolter das Haus, wobei die Hintertür des Hauses mehrfach laut knallte. Betty musste deswegen lachen und fragte Ruth nach einem Aspirin.

Gegen 19:45 Uhr: Jake und Jim saßen in ihren Campingstühlen neben dem Grill. Betty und Ruth kamen nun ebenfalls aus der Haustür, vollbeladen mit Schüsseln voller Kartoffelsalat und Maiskolben. Jackie ging auf die andere Seite des Hauses um nach den Kindern zu sehen und gab Meldung, dass diese Verstecken spielen und alles in Ordnung sei. Der Familienhund, ein Bernhardiner, wurde an einem Baum in der Nähe von Jake gebunden.

Auf der anderen Seite der Stadt tätigte Herr Cox noch letzte Aufräumarbeiten und säuberte sein Arbeitsgerät.

Etwa um 20:05 Uhr: Cox schließt die zwei riesigen Tore auf der Südseite des Gebäudes und geht nochmals durch die Halle spazieren und bemerkt einen Holzhammer, den er vergessen hatte wegzuräumen. Nachdem er dies erledigt hatte, beschloss er noch eine kleine Pause einzulegen, ging durch das Garagentor nach draußen und zündete sich seine Pfeife an. In diesem Moment bemerkt er im Augenwinkel eine Bewegung am Himmel.

20:09 Uhr: Herr Cox blickte nun direkt auf die Bewegung am Himmel und ließ vor Schreck seine Pfeife fallen. Das Objekt wird immer größer und größer und nähert sich immer weiter. Nun konnte er es klar erkennen, es handelte sich um zwei riesige Vögel am Himmel, die sich der Stadt Lawndale näherten und immer tiefer kreisten. Wie er später aussagte, flogen diese in etwa der doppelten Höhe der Halle über seinen Kopf hinweg, wobei alleine die Schatten der Vögel groß genug waren, um seinen Pick-Up komplett zu verdecken.

20:10 Uhr: Bei den Lowes am anderen Ende der Stadt befinden sich alle Erwachsenen an den Tischen und dem Grill. Die Kinder spielen noch hinter dem Haus, als plötzlich Marlon schreiend um die Südseite des Hauses angerannt kommt. Ruth blickt auf und erblickt einen riesigen schwarzen Vogel, der Marlon gierig nachjagt und versucht den Jungen zu greifen. Schließlich wird der Junge vom größeren der beiden Vögel gepackt, die Flügelspitze an Flügelspitze fliegen. Ruth springt auf um dem Jungen zu Hilfe zu eilen, der von dem Vogel inzwischen in die Luft gehoben wurde. Schreiend kann Ruth die Beine des Jungen ergreifen – der Vogel lässt vom Jungen ab und Marlon fällt in die Hände von Ruth, und beide stürzen zu Boden.

Jake und Jim beobachten die Vögel, die nun wieder höher stiegen und in Richtung des Kickapoo Creek, einem kleinen Fluss, verschwinden. Jackie lief los um Ruth und Marlon zu helfen. Betty war geschockt von diesem Anblick und bedeckte ihre Augen. Die anderen zwei Jungen, die aus Angst geflohen waren, schlossen sich der Gruppe im Hof wieder an.

20:15 Uhr: Da die Sonne nun langsam unterging wurde den Jungen aufgetragen mit Jake und Jim zum Kickapoo Creek zu gehen und dort nach irgendwelchen Spuren zu suchen, da die Vögel dort für die Nacht gelandet sein könnten. Doch diese Suche blieb ergebnislos und es war keine Spur der Vögel mehr auszumachen.

Jackie meldete den Vorfall nun auch bei der zuständigen Polizeibehörde, wurde dort aber nicht für ernst genommen. Der zuständige Einsatzleiter fragte sie halb lachend: „Lassen Sie mich das einmal nachfassen. Ein riesiger Vogel hat Ihren Neffen angegriffen?“

In den folgenden Tagen wird aus diesem Vorfall in den Medien eine große Sensationsmeldung und der Lawndale-Thunderbird wird überall in den Vereinigten Staaten in den Nachrichten gebracht.

Lawndale-Thunderbird, Cover nach Jerry D. Coleman
Lawndale-Thunderbird

Marlon wird in der Schule verspottet und als „Vogel-Junge“ ausgelacht. Ruth findet vor dem Haus und auf der Veranda tote Vögel, ein offensichtliches Werk von Schelmen. Bei der Arbeit wird Jake nach diesem Vorfall ständig aufgezogen, u.a. mit Sätzen wie „Hey Jake, flieg hierhin und erledige das!“

Herr Cox bekommt von den Witzen und Spöttereien mit und möchte daraufhin sein eigenes Erlebnis nicht schildern. Schließlich gibt er dennoch sein Erlebnis unter dem Namen „Mr. Cox“ preis, seine wahre Identität bleibt geheim.

Ruth und Jake werben einige Männer an, die am Kickapoo Creek nach Spuren der Vögel suchen und jagen sollen, in der Hoffnung auf die Entdeckung und Vernichtung dieser Vögel. Es wird berichtet, dass Ruth den Jagdaufseher aus ihrem Haus warf, nachdem dieser ihr ins Gesicht lachte und sie eine Lügnerin nannte.

Die folgenden Wochen sind nach diesem Vorfall ebenso hektisch. Marlon kam mehrmals mit Prügel von Schule nach Hause. Ruth musste ihre Telefonnummer zweimal wegen Belästigungen am Telefon ändern lassen und Jake weigerte sich jemals wieder vom Ereignis zu sprechen.

In Illinois jedoch werden mehrere Sichtungen von großen Vögeln gemeldet, und auch in Indiana und weiter südlicher gelegenen Gebieten werden immer mehr Meldungen bekannt.

Fassen wir einmal die genauen Beschreibungen der Vögel und des Angriffs zusammen: Marlon wog damals etwa 28 Kilogramm, war beinahe 1,20 m hoch und hatte sehr rotes Haar. Das Gelände wurde vermessen und man berechnete, dass der Vogel Marlon etwa 12 m weit davontrug.

Der Bernhardiner der Familie bellte während des Angriffs nicht, obwohl dieser normalerweise alles anbellte.

Die Staatspolizei kam und ermittelte vor Ort, drei Beamte gingen auch zum Kickapoo Creek und suchten etwa 15 Minuten lang das Gelände ab, ohne etwas zu entdecken.

Ein gewisser John Huffer behauptet, diese Wesen in der Nähe von Shelbyville gefunden und gefilmt zu haben, und der Film wurde auf den lokalen Hauptnachrichtensendungen von Illinois gezeigt. Allerdings lassen die Aufnahmen keine Größenzuordnung zu.

Was am Ende bleibt ist ein interessanter Fall eines Angriffs riesiger Vögel auf einen kleinen Jungen. Ob dieser Angriff tatsächlich stattfand oder auch nur auf einer falschen Größenangabe der Beteiligten beruht, wird wohl ohne den Nachweis der Existenz solch gewaltiger Vögel ein Rätsel bleiben. Es wäre durchaus möglich, dass der Junge von einem Raubvogel angegriffen wurde, was besonders in der Brutzeit immer wieder einmal vorkommt, nur die Größe erheblich übertrieben wurde.

 

 

Autor: Markus Binder

Nach einem Artikel von Jerry D. Coleman, The Lawndale Thunderbird-Case
Der Fährtenleser 11

Für angehende Kryptozoologen

Ein Bild, das sich leider immer wieder bietet, ist die falsche Einschätzung der wahren kryptozoologischen Methodik, um dem Geheimnis von verborgenen Wesen nachzugehen. Zumindest wenn man die öffentliche Meinung, die hauptsächlich von zu wenig informierten Medien und unqualifizierten Monster- und Bigfootjägern geprägt wird, etwas genauer betrachtet. Es scheint immer so, als ob Kryptozoologen allesamt nur hobbymäßige Jäger nach dem Unbekannten sind, die ohne klares Ziel durch die Gegend ziehen und möglichst spektakuläres Material suchen. Wenn man dazu noch die Vielzahl an Videos auf YouTube und Co betrachtet, fragt man sich dann natürlich, ob die meisten Personen, die sich Kryptozoologen nennen, überhaupt wissen was diese dort tun. Von den haarsträubenden Methoden, die man dort sehen kann, ganz zu schweigen, wenn man sich nur halbwegs mit wissenschaftlicher Methodik und Arbeitsweise auskennt. Aber dies nur am Rande.

Für die kommende Generation der angehenden Kryptozoologen möchte ich von daher einen guten Rat mit auf den Weg geben: Die wahre Kunst des Kryptozoologen ist es, aus dem Bekannten heraus das Wissen über das Unbekannte zu entwickeln und zu nutzen.

Nur wer aus dem Bekannten und den vorliegenden Fakten imstande ist diese auszuwerten und zu verarbeiten, kann dem wahren Geheimnis des Verborgenen auf die Spur kommen und gezielt danach suchen und sich darauf vorbereiten.

Fallsammlung: Tödlicher Python-Angriff, Malaysia 1995

Menschenfressender Python, Malaysia, September 1995  (Foto: The China Press)
Menschenfressender Python
Malaysia, September 1995
Foto: The China Press
Auf dem faszinierenden Feld der kryptozoologischen Forschungsmethodik stößt man zwangsläufig immer wieder auf faszinierende Fälle und Begebenheiten. So auch in diesem Fall.

Im September 1995 berichtete die malaysische Zeitung Times über einen ziemlich großen Python, welcher bei seiner ausgiebigen Mahlzeit gestört wurde. Das 6,65 Meter lange Reptil war gerade dabei seine große Beute zu verschlingen, als dieses von Polizisten erschossen wurde.

Die Polizei wurde gerufen, nachdem man Schreie aus einer Kautschukplantage vernommen hatte und einer der Arbeiter angegriffen wurde. Als die Polizisten das Gelände erreichten und zum Ort des Geschehens vorgedrungen waren, bot sich diesen ein erschreckender Anblick, denn ein großer Python war um den Körper eines Mannes gewickelt und war dabei diesen zu verschlingen. Um den Mann noch retten zu können, griffen die Polizisten zu den Waffen und feuerten.

Für den neunundzwanzigjährigen Kautschuklandarbeiter Ee Heng Chuan kam leider jede Hilfe zu spät. Er war bereits zu Tode erstickt worden, noch bevor das Tier ihn gierig zu verschlingen begann.

Als man die Schlange später obduzierte, zeigte sich, das ein Eichhörnchen die Vorspeise gewesen war.

Solch tödliche Angriffe von großen Würgeschlangen sind selten, kommen aber immer wieder einmal vor. Der hier aufgezeigte Fall ist ein solch seltener Angriff. In der Regel gehört der Mensch nicht zum Beuteschema dieser Schlangen, auch wenn sehr große Exemplare durchaus Menschen verschlingen können. Berichte über menschenfressende Riesenschlangen gibt es dennoch zuhauf. Eine hungrige Würgeschlange, die über längere Zeit kein großes Jagdglück hatte, wird aggressiv und greift dann eben auch solche potentielle Beute an, die nicht dem normalen Beuteschema entspricht. So kommt es ab und an vor, das unvorsichtige Menschen angegriffen werden und als Beute enden. Diese Schlangen kommen einen recht langen Zeitraum ohne Nahrung aus und sind in der Regel dem Menschen gegenüber recht passiv, dies kann sich aber durchaus ändern, wie solche Fälle wie der hier erwähnte aufzeigen.

Das über sechseinhalb Meter große Exemplar aus diesem Fall ist natürlich schon recht gewaltig, obwohl es unter den Pythons noch einige größere belegte Exemplare um die neun Meter gibt, und ein Mensch ist eine leichte Beute für ein solches Tier. Und je größer eine solche Schlange wird, desto größer natürlich auch der Nahrungsbedarf und potenziell dazu die Größe der möglichen Beute.

Kryptozoologisch sind solche Fälle natürlich interessant, befasst man sich hier doch auch mit der Suche nach Megaschlangen, wie der berüchtigten Matora (Bullenfresser, auch Sucuriju Gigante – Riesenanakonda) in Südamerika und anderen gewaltigen Vertretern aus der Schlangenwelt. Und Berichte und Erzählungen über solche Gigantenschlangen, die nicht nur Menschen, sondern auch Rinder und Pferde fressen sollen, gibt es eine ganze Menge. Dies ist natürlich ein unheimlich faszinierendes Thema, ob es auch heute noch solche Giganten geben kann, welche die bisherig belegten Rekordhalter bei weitem übertrumpfen und immer noch verborgen vor dem Menschen (oder besser gesagt der zoologischen Entdeckung und Beschreibung) existieren. Wobei die Wahrscheinlichkeit durchaus gegeben ist auf Schlangen zu treffen, die ein Rekordmaß von über zehn Metern erreichen können. Im Laufe der Erdgeschichte gibt es durchaus belegte Fossilfunde, welche solche Größen bei Schlangen belegen, wobei als der derzeitige Rekordhalter die 2009 wissenschaftlich beschriebene Titanoboa aus dem Paläozän gilt, welche eine Größe um die dreizehn Meter besaß und als Verwandte der heutigen Anakonda (Eunectes murinus) angesehen wird.

Der Mythos Godzilla


Godzilla
Godzilla
Die Erde erbebt unter mächtigen Schritten, Menschen fliehen in wilder Panik und ganze Städte werden dem Erdboden gleichgemacht. Dies alles geschieht durch ein gewaltiges Ungetüm, welches wie eine postapokalyptische Vision eines Dinosauriers aussieht und dessen Ausmaße gewaltig sind. Der Name dieses Ungetüms: GODZILLA


Godzilla

Wohl jeder hat schon einmal von diesem japanischen Filmmonster gehört oder kennt mindestens einen Film des erfolgreichsten Filmmonsters aller Zeiten. Mit weit mehr als 25 japanischen Produktionen und einer amerikanischen Version von Erfolgsregisseur Roland Emmerich bricht Godzilla somit alle Rekorde in der Zahl der Auftritte als reines Monster.

Das Godzilla ein Filmmonster ist steht wohl außer Frage. Jedoch ist um dieses Monster eine Legende entstanden, welche auf einen wahren Kern hinter Godzilla hinzuweisen scheint. Hierzu sollte man erwähnen, das Godzilla im Grunde genommen nur eine Interpretation seines japanischen Namens ist, welche sich beim Import des Films für das amerikanische Publikum eingebürgert hat, da man den Originalnamen nicht für einprägsam und zu schwierig hielt. So wurde aus dem japanischen Original Gojira kurzerhand der in westlicher Welt verbreitete Name Godzilla.

Dieses Monster war so erfolgreich, das schon bald erste Legenden um die Herkunft des Monsters entstanden, so dass dieses einen festen Platz in der Legendenwelt erhielt. Im Internet und einigen anderen Veröffentlichungen findet man so z.B. die Geschichte, dass der Godzilla im Film auf einer wahren Gestalt beruhen soll, vor welcher japanische Fischer seit Jahrhunderten Angst haben. Dieser Gojira soll ein gewaltiges Ungeheuer aus den Tiefen der Meere sein, welches einfach Fischerboote angreift und diese mitsamt der Besatzung in die Tiefe zieht. Das sich diese Legende verbreitete ist auch nicht weiter verwunderlich, da dies in etwa die Grundgeschichte hinter den Godzilla-Filmen darstellt und dies auch Ansatzweise in den Filmen behauptet wird. Dieser „Ur-Godzilla“, jenes bösartige Meereswesen „Gojira“, war demnach der Namensgeber für das durch radioaktive Verstrahlung entstandene Monster der Filmreihe. Doch was steckt tatsächlich hinter der Legende des Filmmonsters Godzilla? Um dies zu erörtern, werfen wir einen Blick auf die tatsächliche Entstehungsgeschichte von Godzilla.

Im Jahr 1954, knapp neun Jahre nach den Atombombenangriffen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, wurde Japan ein zweites Mal mit dem nuklearen Albtraum konfrontiert: Das japanische Fischerboot „Fukuryu Maru“ (Glücklicher Drache) kam damals während einer Fangfahrt vom Kurs ab und verirrte sich in die Nähe des Bikini-Atolls im Pazifik, wo gerade die berüchtigten Bravo-Atombombentests des amerikanischen Militärs stattfanden. Einige Tage später kehrten die Fischer in ihre Heimat Japan zurück und wiesen mysteriöse Krankheitssymptome auf. Einer der Fischer starb kurz nach der Einweisung in ein Krankenhaus auf qualvolle Art und Weise. Während die westlichen Medien diesen Vorfall fast gänzlich verschwiegen, sorgte der „Fukuryu Maru-Vorfall“ in Japan für eine regelrechte Massenhysterie. Die japanische Presse sprach vom „zweiten Atombombenangriff in der Geschichte der Menschheit“ und schürte somit den alten und tiefen Hass auf die Amerikaner wieder an. Schließlich verbot die japanische Regierung die Auslieferung aller in diesem Gebiet gefangenen Fische. Mit Recht befürchte das Gesundheitsministerium, dass alle Meerestiere aus diesem Testgebiet hochgradig radioaktiv verseucht sein könnten.

Der Filmproduzent Tomoyuki Tanaka erkannte als erster das gewaltige kommerzielle Potential dieser dramatischen Ereignisse. Er schlug den als äußerst flexibel geltenden TOHO-Studios vor eine gruselige Katastrophengeschichte zu entwickeln, welche auf diesem Vorfall basieren sollte. Tanaka schwebte eine Produktion vor, welche Elemente aus dem legendären Abenteuerfilm 20.000 Meilen unter dem Meer und dem Monster-Spektakel von Ray Harryhausen Panik in New York enthielt, welche im Jahr zuvor in Amerika die Kinokassen kräftigen klingeln ließen. Die TOHO-Bosse waren von der Idee begeistert und gaben grünes Licht für diese Produktion. Tanakas Titelvorschlag für den Film lautete The giant Monster from 20.000 Miles under the Sea, angelehnt an die beiden Produktionen, welche ihm als Vorlage vorschwebten. Für eine erste Fassung der Geschichte engagierte Tanaka den Science Fiction-Autoren Shigeru Kayama, welcher innerhalb weniger Tage eine Geschichte mit dem kurzen Titel „G“ („G“ für „Giant“ = der „Riese“) ablieferte. Der Anfangs geplante Regisseur Senkichi Taniguchi weigerte sich jedoch diesen Film zu drehen. Durch Zufall stellte sich zu dieser Zeit der Regie-Newcomer Inoshira Honda bei TOHO vor und war von dem Konzept begeistert. Er hatte große Pläne mit der „G“-Idee und somit schlug die Geburtsstunde des späteren Monsters.

Honda arbeitete sofort mit dem Autoren Takeo Murata an einer Drehbuchfassung der Geschichte um „G“. Nach einigen Tagen standen dann endlich inhaltliche Eckpfeiler für den Film fest, welche Honda schließlich auch in seinen einbaute. Ein gigantisches Monster wird durch radioaktive Bestrahlung erweckt und greift die Millionenstadt Tokio an. Der Name für das Monster wurde auch recht schnell gefunden, aber nicht, wie man später gerne aufführte, aus einer alten Legende der Fischer, sondern ganz willkürlich. Ein etwas dickerer Mitarbeiter der Marketing-Abteilung der TOHO-Studios wurde von seinen Mitarbeitern boshafterweise Gojira genannt, ein Wortspiel aus den japanischen Worten für „Gorilla“ und „Wal“. Honda gefiel diese Bezeichnung so gut, dass er sich entschloss sein Filmmonster ebenso zu benennen.

Die Dreharbeiten zogen sich sehr zum Ärger der TOHO-Bosse in die Länge, was natürlich mit erheblichen Kosten verbunden war. Um etwas Geld in die Kasse zu bekommen, produzierten diese nebenbei, ohne Hondas Einverständnis, eine Serie aus fünf Hörspielen für das Radio mit Gojira. Als Hondas Film endlich fertiggestellt war, hatte dieser durch die Hörspiele bereits eine sehr große Fangemeinde. Trotzdem war die Produktion für das Studio ein extremes Wagnis, denn immerhin spielte der Film ja auch direkt auf die Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki durch Kernwaffen an, was bis zu diesem Zeitpunkt in Japan ein absolutes Tabu-Thema war. Das Wagnis zahlte sich jedoch aus und Godzilla, wie man ihn im Ausland nannte, wurde zum zweiterfolgreichsten japanischen Film aller Zeiten, nur Kurosawas Meisterwerk Die sieben Samurai spielte ehemals mehr Geld ein.

Die Legende um Godzilla entstand im Laufe der Jahre, als immer mehr Nachfolger dieses Klassikers gedreht wurden. Somit ist Godzilla nichts weiter als ein modernes Fabelwesen. Jedoch sollte man erwähnen, dass es nicht auszuschließen ist, dass sich eines Tages wirklich durch radioaktive Mutationen gefährliche Wesen entwickeln können. Dies wären dann allerdings real existierende Erben von Godzilla – dem japanischen Ungetüm.

Autor: Michael Schneider

Verwendete Quellen:
Gernot Gricksch, Godzilla, 1998


Night of the Mothman – Die Nacht des Mottenmanns

Mothman
Der Mothman von Point Pleasant
West-Virginia in den Vereinigten Staaten von Amerika ist vor allem für seine Berge und großflächigen Wälder bekannt. In einer Novembernacht des Jahres 1966 sollte aus diesen Wäldern ein unheimliches fliegendes Wesen kommen, welches eine ganze Stadt in Aufregung versetzte.

Am späten Abend des 15. November 1966 fuhren Roger Scarberry, seine Frau Linda und deren beide Freunde Steve und Mary Mallette gegen 22.30 Uhr an der stillgelegten Sprengstofffabrik nahe Point Pleasant auf der Landstraße 62 in West-Virginia vorbei. Kurz nachdem sie die Fabrik passiert hatten, bemerkten sie in der Dunkelheit zwei leuchtend rote Punkte in ihrer Fahrtrichtung, welche noch ziemlich weit entfernt zu sein schienen. Beim Näherkommen entpuppten sich diese Lichtpunkte als zwei reflektierende Augen eines etwa 1,90 Meter großen Wesens, welches als grauer Schatten auf der Straße zu erkennen war und den näherkommenden Wagen anzustarren schien. Dieses Wesen rührte sich nicht und blickte auch weiterhin dem näherkommenden Fahrzeug starr entgegen. An seinem Körper konnten die vier Personen so etwas wie angelegte Flügel erkennen, und dieses Wesen schien auf zwei Beinen zu stehen. Die beiden Augen befanden sich am oberen Ende der dunklen Gestalt. Die vier Zeugen konnten keinen Hals entdecken und es schien, als ob dieses Wesen keinen Kopf besaß oder dass der Kopf direkt mit dem Oberkörper verbunden war.

Starr vor Entsetzen versuchte Roger Scarberry diesem Wesen auszuweichen und fuhr an diesem vorbei. Als er es passiert hatte beschleunigte er den Wagen auf bis zu 160 Stundenkilometer, um diesem unheimlichen Wesen zu entkommen.

Hinter dem Wagen entfaltete das Wesen seine Flügel und erhob sich in die Höhe, um dem Fahrzeug der panischen Augenzeugen zu folgen. Offensichtlich bereitete die hohe Geschwindigkeit des Wagens diesem Wesen keine großen Schwierigkeiten, denn es schien das Fahrzeug ohne bemerkbare Flügelschläge zu verfolgen. Während der Verfolgung gab dieses Wesen mehrere schrille und äußerst schaurige Schreie von sich. Je mehr sich jedoch die vier Personen dem Ortsrand der Stadt Point Pleasant näherten, desto weiter fiel das Wesen zurück und schien langsamer zu werden, bis es schließlich am dunklen Himmel verschwand.

Im Ort angekommen fuhren die Augenzeugen umgehend zur Polizeistation und schilderten dem stellvertretenden Polizeichef Millard Harlstead von Mason County den Vorfall. Dieser wollte die Geschichte der vier jungen Leute jedoch nicht glauben und fuhr mit diesen zur stillgelegten Fabrik zurück. Allerdings fand man dort absolut keine Spur dieses mysteriösen Wesens oder einen Anhaltspunkt, welcher die wilde Geschichte der beiden Paare belegen konnte.

Am selben Abend saß Mr. Newell aus Salem in West-Virginia etwa 90 Meilen von Point Pleasant entfernt vor seinem Fernseher, als sein Hund Bandit plötzlich anfing wie wild zu bellen. Gestört durch dieses aufgeregte Gebell des Hundes nahm er seine Taschenlampe und ging nach draußen, um nachzusehen was der Grund für das Verhalten des Tieres war. In einiger Entfernung sah er zwei rote Punkte leuchten. Bandit knurrte wild und sprang den leuchtenden Punkten entgegen. Mr. Newell hörte kurz darauf mehrere schrille Schreie, worauf er seinen Hund zurückrief. Dieser kam allerdings nicht zurück und selbst am nächsten Tag fand man keine Spur mehr von ihm. Auch Mr. Newell meldete diesen Vorfall der zuständigen Polizeibehörde.

Während des folgenden Tages gab Polizeichef George Johnson den Polizeibericht über die Vorgänge dieser Nacht an die Pressestelle frei. Als man das Erlebnis der Scarberrys überprüfte, fand man in den Akten einen Zusammenhang zu einem ähnlichen Vorfall, welcher sich im Jahre 1961 abspielte. Damals wurde ein Ungeheuer von zwei Personen gesichtet, welches der Sichtung der Scarberrys ähnlich schien. Die zwei Augenzeugen fuhren damals auf der Route 2 am Ohio River entlang, als ein Wesen mit Flügeln und rotleuchtenden Augen auf der Straße stand. Als sich das Auto langsam näherte, flog dieses Geschöpf kerzengerade in die Höhe. Die Spannweite der Flügel soll nach diesen Augenzeugen ganze drei Meter betragen haben. Aufgrund der beiden identischen Erzählungen wurden Reporter auf dieses ungewöhnliche Geschöpf aufmerksam und veröffentlichten in einer großen Kampagne die unheimliche Begegnung mit diesem Wesen.

Wegen seines Aussehens gaben findige Reporter diesem Geschöpf den Namen Mothman, was in unserer Sprache Mottenmann bedeutet, nach einem Gegenspieler von Batman aus der damals populären Fernsehserie BATMAN.

Nach dieser Publikation wurden in den folgenden Monaten mehr als einhundert weitere Sichtungen gemeldet, welche größtenteils exakt mit der Schilderung der Scarberrys übereinstimmten. Gegen Ende des Jahres 1967 riss die Welle der Sichtungen gänzlich ab und es schien, als ob dieses Wesen genauso verschwand, wie es kurz zuvor aufgetaucht war.

Fortsetzung folgt…


Michael Schneider


Verwendete Quellen

Was ist Kryptozoologie?

Beutelwolf
Beutelwolf
Szene aus The Hunter
Eine Frage die immer wieder gestellt wird, ist die Frage nach dem Begriff Kryptozoologie selbst.  Diese Frage ist natürlich berechtigt, bildet diese doch den Grundstein für das Verständnis der Forschungsmethodik auf der Spur vor dem Menschen oder der wissenschaftlichen Entdeckung verborgen existierenden Wesen.

Bevor wir uns mit der vollen kryptozoologischen Thematik und den kryptozoologischen Forschungsansätzen befassen, werden wir uns erst einmal den Grundlagen der Anfänge der Kryptozoologie zuwenden.

Auch wenn die Kryptozoologie an sich erst in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts definiert wurde, gehen die Wurzeln bis weit in die Vergangenheit des Menschen zurück. Seit jeher war der Mensch von seltsamen und dem Betrachter unbekannten Tieren fasziniert. Viele Sagen und Legenden beruhen auf solchen alten und immer weiter ausgeschmückten Überlieferungen. Schon in der Steinzeit fertigte der Mensch prachtvolle Höhlenzeichnungen jener Tiere an, die in seinem Lebensraum und in seiner Mythologie vorkamen. In der Antike und mit den Anfängen der zoologischen Klassifizierung unter Aristoteles und weiteren Gelehrten, flossen solche Wesen in das Klassifizierungsbild der Tierwelt mit ein, wo diese bis ins 17. und 18. Jahrhundert ihren festen Platz in der Tierwelt besaßen. Und es gab schon immer Menschen, die sich der Suche nach solch fantastischen Wesen verschrieben.

Selbst Conrad Gesner, der wohl federführendste Vater der modernen Zoologie, nahm noch diverse mythologische Wesen (z.B. Einhörner, Drachen) in sein mehrbändiges Werk Historia animalium mit auf, allerdings bereits in einer kritischen Betrachtungsweise. Während der großen Aufklärung indes verschwanden die meisten dieser fantastischen Wesen aus den Lehrbüchern dieser Zeit. Schließlich verkündete der französische Baron und Naturwissenschaftler Georges Cuvier im Jahr 1812 lautstark, dass nur wenig Hoffnung bestünde neue Tierarten zu entdecken.

Wie sehr sich Cuvier jedoch irrte, zeigen die Entdeckungen der letzten Jahre eindeutig. Nach dessen Einschätzung hätten der Berggorilla (1903), das Okapi (1901), der Komodowaran (1912) oder das Saola (1992) niemals existieren können, stellen diese doch sehr große Vertreter von landbewohnenden Tieren dar, obwohl man bereits im 19. Jahrhundert unsere Welt für erforscht erklärte. Dass dies eben nicht der Fall ist und wir im Grunde genommen gerade erst richtig beginnen unsere Welt systematisch zu erforschen, belegt recht eindeutig die Zahl der bislang bekannten Tierspezies auf der Erde. Grob überschlagen kennen wir heute bislang etwa 1,75 Millionen Spezies , davon kennen die meisten Menschen weniger als 0,01 Prozent. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei diesen nur um einen Bruchteil aller existierenden Arten handelt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl aller Arten der Erde deutlich höher ist. Die extremen Annahmen reichen dabei bis zu 17,7 Millionen Arten, am häufigsten werden jedoch Schätzungen zwischen 13 und 20 Millionen Arten angeführt , wobei man sich allgemein auf einen Mittelwert von 15 Millionen verschiedener Spezies festgelegt hatte. Einen Großteil dieser bislang unbekannten Arten wird man unter den Insekten und Wirbellosen finden, aber auch eine Unzahl höherer Tiere warten noch auf ihre Entdeckung. Allerdings müssen wir gerade heute sehr vorsichtig agieren, da wir viele Arten vermutlich durch das Eingreifen des Menschen bereits ausgerottet haben, bevor diese überhaupt entdeckt werden konnten.

Die Zoologie wird noch über Jahrhunderte immer neue Arten entdecken und in die Klassifikation hinzufügen und ergänzen. Vor allem in der Tiefsee und entlegenen Lebensräumen wird man stetig neue, bislang unbekannte Arten finden können. Der normale Ablauf einer zoologischen Entdeckung verläuft so, dass man in einem bestimmten Gebiet alle möglichen Tierfunde dokumentiert und Beschreibungen der Tiere anfertigt. Stimmt eine Beschreibung mit keiner bekannten Art überein, hat man eine neue Art entdeckt. Diese kann dann anschließend klassifiziert und wenn möglich weitgehendst untersucht und das Verhalten und Ökologie des Tieres dokumentiert werden. Somit sind rein zoologische Funde im Grunde genommen immer reine Zufallsfunde.

Doch kommen wir wieder zur Thematik der Kryptozoologie zurück, welche sich als eine gewisse Form, oder besser gesagt erweiterte Methodik, der Zoologie darstellt. Wie bereits gesagt, gab es seit jeher Menschen, welche auch solchen Wesen nachspürten, welche aus Sagen, Legenden und alten Mythen entsprungen schienen. Oder solchen Tieren, die in Geschichten und Berichten auftauchten, für welche es aber keinen fundierten Beweis gab. Doch erst in den frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts sollte hier eine zusammenfassende Methode zur Klassifizierung und Erforschung solcher Wesen entstehen.

Bernard Heuvelmans , welcher auch als Vater der Kryptozoologie galt, war promovierter belgisch-französischer Zoologe. Er befasste sich mit der wissenschaftlichen Suche nach verborgenen Tieren und begründete damit die Kryptozoologie im modernen Sinne. Er publizierte verschiedenste Bücher und Artikel, vor allem im Bereich der Kryptozoologie, zur Theorie der initialen Bipedie (ursprüngliche Zweifüßigkeit der Ursäuger), aber auch zur Jazzmusik. Nach dem Zweiten Weltkrieg steigerte sich sein Interesse an allem, was ihm innerhalb seines Fachgebietes, der Zoologie, ungewöhnlich oder anormal erschien. So fasste er 1948 den Entschluss, systematisch Berichte und Zeitungsartikel über alles zu sammeln, was aus dem Rahmen fiel. Der Wendepunkt in seinem Leben war in diesem Jahr ein Artikel von Ivan T. Sanderson in der Saturday Evening Post, der sich mit möglicherweise überlebenden Dinosauriern im Kongobecken („There could be Dinosaurs…“) beschäftigte. In diesem Moment kam ihm der Gedanke, ein ganzes Buch über derartige unbekannte Tiere zu schreiben.

Das Buch „Sur la Piste des Bêtes Ignorées“ erschien einige Jahre später 1955 in einer französischsprachigen Ausgabe in zwei Bänden und wurde gleich zu einem Bestseller. Es wurde 1958 ins Englische (On the Track of Unknown Animals) übersetzt, mehr als eine Million Exemplare wurden weltweit in über 20 Sprachen verkauft, darunter Japanisch, Serbokroatisch und Slowenisch – aber bis heute ist es noch nicht auf deutsch erschienen. Der erste Band befasst sich mit verborgenen landlebenden Tieren in Südostasien und Ozeanien, der zweite mit solchen in Afrika, Amerika und Sibirien. Die Wirkung von „Sur la Piste des Bêtes Ignorées“ und der späteren englischen Übersetzung war enorm.

1959 wurde der Begriff Kryptozoologie, den Heuvelmans zuvor lediglich in privaten Korrespondenzen benutzte, zum ersten Mal nachweislich in einem Heuvelmans gewidmeten Buch von Lucien Blancou über die Canidae (Hundeartige) gebraucht („Heuvelmans, Maitre de la Cryptozoologie“). Der Begriff setzt sich aus den drei altgriechischen Wörtern kryptos „verborgen“, zoon „Tiere“ und logia „Lehre“ zusammen. In Anlehnung an diesen Begriff wurde auch das Wort Kryptid (Plural: Kryptiden), für die Tiere, mit denen sich die Kryptozoologie beschäftigt, geprägt und von Heuvelmans sofort übernommen.

Der Begriff Kryptozoologie bedeutet somit soviel wie „Lehre der verborgenen Tiere“, was den eigentlichen Hintergrund dieser speziellen Forschungsrichtung passend zusammenfasst. Heuvelmans selbst definierte die Kryptozoologie als „die wissenschaftliche Studie von Tierformen, deren Existenz nur auf Zeugenaussagen, Indizien oder auf Material, das jemand als ungenügend bewertet hat, basiert.“

Das Hauptziel der Kryptozoologie ist somit klar definiert, nämlich die Suche nach vor der Wissenschaft verborgen lebenden Tieren, welche zwar in verschiedensten Quellen oder durch Zeugen sowie durch Indizien (Felle, Knochen, Spuren, usw.) belegt sind, für welche es jedoch keinen eindeutigen Beweis für deren reale Existenz zur jetzigen Zeit gibt.

Die Kryptozoologie in ihrer Definition gab es jedoch schon lange vorher, denn sie ist und war im Grunde schon immer ein Teil der Zoologie. David Livingstone, Richard Burton, John Speke und viele andere Entdecker die tief in die unbekannten Regionen unseres Planeten vordrangen – sie alle brachten Berichte über fremdartige und unbekannte Kreaturen mit nach Europa, die den Naturvölkern schon lange bekannt waren. Kryptozoologie war, in einem geschichtlichen Bezug gesehen, zu diesen Zeiten gewissermaßen die Zoologie selbst.

Während sich die rein zoologische Methodik heute jedoch vornehmlich um bereits bekannte Tiere kümmert und Neuentdeckungen aufgrund von Zufallsentdeckungen geschehen, trennt sich heute die Forschungsrichtung der Kryptozoologie von der Zoologie ein wenig ab und bildet eine erweiterte Suchmethode innerhalb der Zoologie, welche auf den bereits benannten Kriterien der Bestimmung einer kryptozoologischen Untersuchung unterliegt.

Generell kann man die Kryptozoologie und deren Ansätze in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Die klassischen Ansatzpunkte für eine kryptozoologische Suche sind ethnologische Berichte von unbekannten Tieren in alten Texten, Erzählungen oder bildliche Darstellungen und Skulpturen.
  • Weiterhin zählen zu den klassischen Quellen Augenzeugenberichte. Seit dem Aufkommen moderner Techniken, gehören auch Foto- und Filmaufnahmen, Sonaraufnahmen und ähnliches hierzu. Diese Berichte bzw. Aufnahmen bilden heute die größte und zeitgleich schwierigste Informationsquelle.
  • Physische Indizien wie Trittsiegel, Haar- bzw. Fellreste, Knochen, Kadaver, Exkremente oder Fressspuren. Diese Quellen sind recht selten, bieten jedoch die direkte Überprüfung mittels der DNA-Analyse und somit des eventuellen Existenznachweises vor einer eigentlichen Entdeckung.

Hierbei stellt sich oftmals die Frage, ob die Kryptozoologie an sich als eigenständiger Wissenschaftszweig anzusehen ist, wie es die Ausführungen von Heuvelmans andeuten. Genau betrachtet ist diese Frage jedoch etwas schwierig zu beantworten. Die Kryptozoologie ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Methodik, welche auf den erweiterten Grundlagen der Zoologie aufbaut. Somit ist diese eine erweiterte Methodik der Zoologie, also ein Forschungsfeld und Suchmethode innerhalb der Zoologie – und keine eigene Wissenschaft. Interdisziplinär deshalb, da neben dem zoologischen Aspekt an sich innerhalb der kryptozoologischen Methodik gleich mehrere Wissenschaftsbereiche zusammenkommen und in das Forschungsfeld der Kryptozoologie einfließen. Wichtige Elemente wären hier z.B. Mythologie, Forensik, Linguistik, Psychologie, Ethnologie, Anthropologie, Paläozoologie und etliche weitere Wissenschaften, welche durch die kryptozoologische Methodik zusammengeführt werden, um bislang unzureichend oder falsch bewertetes Material zu erfassen, auszuwerten und eventuell eine biologisch belegbare Entdeckung daraus zu gewinnen.

Letztendlich kann man anführen, dass die Kryptozoologie nach all jenen verborgenen Tieren sucht, welche zwar durch Zeugen oder anderweitige Indizien in irgend einer Form bereits bekannt sind, jedoch als zoologisch (noch) nicht erfasst oder als ausgestorben gelten.

Da das breite Themenspektrum der Kryptozoologie durch die Vielzahl der verschiedenen Typen an Kryptiden unheimlich Komplex ist, wurde schon recht frühzeitig eine Unterteilung in verschiedene Fachbereiche innerhalb der Kryptozoologie gefordert.

So unterteilt man spezielle Vertreter in verschiedene Gruppen innerhalb der kryptozoologischen Methodik:

  • Die Dracontologie befasst sich vornehmlich mit im Wasser lebenden Kryptiden.
  • Unter dem Sammelbegriff Hominologie werden affen- und menschenartige Wesen zusammengefasst.
  • Fliegende Kryptiden ist selbsterklärend und befasst sich mit allen fliegenden Wesen und Vögel.
  • Mythologische Kryptozoologie befasst sich mit den Hintergründen von Legenden und Mythen.
  • Die Out of Place Sichtungen gehen Sichtungen von bekannten Tieren auf den Grund, die in für diesen untypischen Regionen gesichtet werden.

 

Quelle: M. Schneider – Auf der Spur des Unbekannten